2021 07 15bz1Es ist derzeit das wichtigste Gasinfrastrukturprojekt in Niedersachsen und führt einmal quer durch Gifhorns Südkreis: die neue 33 Kilometer lange Erdgaspipeline von Walle nach Wolfsburg. Dieser Tage startet der norddeutsche Fernleitungsnetzbetreiber Gasunie die Bauarbeiten im Kreis Gifhorn für das rund 60 Millionen teure Projekt.

„Der Mutterboden wird auf dem Arbeitsstreifen und je nach vorhandener Mächtigkeit in einer Tiefe von 0,3 bis 0,5 Metern abgetragen“, sagt der Pressesprecher Philipp von Bergmann-Korn auf Nachfrage unserer Zeitung. Der sei in der Regel 28 Meter breit und beinhaltet eine Baustraße. Er wird hinterher wieder zurückgebaut und begrünt. „Der Mutterboden wird am Rand gelagert und konserviert, damit er später wieder verwendet werden kann.“ Zurzeit rollen die Bagger durchgehend zwischen Meinholz und Calberlah, also auf einer Länge von etwa neun Kilometern.

Größtenteils werden die Rohre dann in offener Bauweise verlegt. Dazu wird auch das tiefer gelegene Erdreich aufgebaggert und die Rohre rund ein bis eineinviertel Meter tief im Boden verlegt. Die einzelnen Segmente aus ummantelten Spezialstahl werden vor dem Herablassen zusammengeschweißt. „Später wird ein Schutzstrom angelegt, mit dem man sehen kann, ob die Ummantelung beschädigt ist“, so von Bergmann-Korn.

Diese Verlegearbeiten hätten eigentlich auch jetzt schon stattfinden sollen, seien aber auf Anfang August verschoben worden. „Das Bohrgerät hatte auf einer anderen Baustelle einen Defekt bekommen und war nicht einsatzfähig“, so von Bergmann-Korn.

Die „Bohrmaschine“ ist immer dort von Nöten, wo die Verlegearbeiten auf Hindernisse stoßen. An einem Punkt nördlich von Allerbüttel soll es eine zwei Kilometer lange Unterbohrung geben. Kurze Unterbohrungen wird es auch unter dem Elbe-Seitenkanal und unter der Schunter geben.

Fachleute sprechen dabei von Sonderbauwerken. Dazu wird der Untergrund zunächst nach Felsformationen untersucht und es werden Start- und Zielgruben angelegt, zwischen denen gebohrt wird. Unter den kreuzenden Straßen soll die Leitung jedoch gepresst – also ohne Bohrkopf vorangetrieben – werden.

Trotz Bohrer-Reparatur ist die Gasunie im Zeitplan: „Wir haben einen Endtermin, zu dem sind wir fertig.“ Die Inbetriebnahme ist für Oktober dieses Jahres geplant. Dann seien aber vermutlich noch nicht alle Flurstücke wieder hergestellt. Die Arbeiten daran erstreckten sich bis ins nächste Jahr.

Mit der Leitung werden zwei neue Gaskraftwerke beliefert, die künftig das VW-Werk und die Stadt Wolfsburg mit Energie versorgen. Die Umstellung von Kohle auf Gas soll den CO2 -Ausstoß laut Gasunie um rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr vermindern. Die neue Leitung verläuft nahezu parallel zur alten aus den 1960er Jahren durch die Gemeinden Schwülper, Meine, Vordorf, Wasbüttel und Calberlah – Letztere ist mit ihren 25 Zentimeter Durchmesser für den Gasbedarf der neuen Kraftwerke zu klein. Die neue Leitung misst 40 Zentimeter.

Aus der Gifhorner Rundschau vom 15.07.2021

Siehe auch

Bau der Gasleitung: Bohrung unter dem Biotop [Update]

Bau der Gasleitung: Die ersten Rohre sind angekommen