2021 02 27bz1Am Freitag um 11 Uhr war Wasbüttel Mittelpunkt in Niedersachsen – zumindest für mehr als 3000 Grundschüler von Chorklassen und Schulchören des Landes. Sie vollführten alle zur gleichen Zeit den Gebärden-Flashmob, den die Wasbütteler Lehrerin Silke Zieske zusammen mit ihrer Kollegin Petra Jacobsen initiiert hatte.

 

Singen vor Zuhörern oder im Klassenraum ist wegen Corona seit fast einem Jahr tabu. „Aber wir wollten schauen, was stattdessen geht“, sagte Zieske vor den rund 30 Kindern auf dem Schulhof. Sie leitet nicht nur die Chorklassen der Schule, sondern seit 2010 auch die Aus- und Weiterbildung von Chorklassenlehrkräften in der Katholischen Akademie Stapelfeld und der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel.

Singen kann man in allen möglichen Sprachen, aber nur in einer ohne Ton: in der Gebärdensprache für Gehörlose. Zieske und Jacobsen hatten die nötigen Materialien vorbereitet und landesweit verschickt. Mit zwei Mädchen aus Wasbüttel, Hannah und Paula Prädiger, gab es Aufnahmen in einem Wolfenbütteler Tonstudio für eine Vorlage.

Seit Anfang Januar haben die Kinder für den Flashmob geübt – zum Einsatz kam „Chioni chioni chionisse“, ein griechisches Winterlied mit deutschen Gebärden. „Wir haben kein Publikum, aber wir haben uns“, so Zieske, „und denkt mal daran, wo jetzt überall Kinder stehen und mitmachen: Wir sind ganz viele zur selben Zeit.“ Rückmeldungen gab es aus zum Beispiel aus Göttingen, Braunschweig, Cloppenburg, Hannover, Lüneburg und sogar aus Mexiko Stadt. Draußen auf dem Schulhof darf mit Abstand auch gesungen werden – die Wasbütteler haben das im Januar sogar bei minus sieben Grad Celsius gemacht – „wir wollen nicht, dass die Kinder den musikalischen Anschluss verlieren“, so Zieske. Zurzeit ist die Hälfte der Schüler stets im Homeschooling, die hat den Flashmob dann einfach zu Hause am Fenster oder im Garten mitgemacht.

„Ich finde das Singen toll“, sagte die siebenjährige Jule. Das habe ihr richtig Spaß gemacht. Ihre Mitschülerin Singa (7) hatte Gefallen an dem ungewöhnlichen Lied: „Es war gar nicht schwer einzuüben.“

Die Kinder hatten übrigens mehr Publikum, als sie vorher gedacht hatten: Denn zum niedersachsenweiten Flashmob kam auch ein Kamerateam des NDR auf den Schulhof und zu einigen nach Hause – für eine Sendung am selben Abend.

Aus der Gifhorner Rundschau vom 27.02.2021, Foto: Reiner Silberstein

Das Video in der Mediathek des NDR (ab 06:53 Minuten): Flasmob gegen Frust