2019 06 21bz1Im Sommer Terrasse und heimischen Garten genießen, ist für Familie Schulz nicht mehr drin, seit die Eiche, die teilweise auf ihrem Grundstück an der Calberlaher Straße steht, vom Eichenprozessionsspinner befallen ist. Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch. Alle Versuche, der Plage Herr zu werden, sind bislang fehlgeschlagen. Jetzt fordert die Familie, dass der Baum gefällt wird.

 

Seit 20 Jahren leben Imke und Manuel Schulz im schmucken Eigenheim mit kleinem Garten. Die alte Eiche, die nur drei Meter vom Haus entfernt steht, hat nie gestört. Stattdessen war der Baum willkommener Schattenspender für den Sandkasten von Tochter Carlotta. Wenn die Achtjährige heute draußen spielen will, muss sie Freundinnen besuchen. Der Garten ist für sie tabu.

Carlotta ist hörgeschädigt und hat Implantate in den Ohren. Der juckende Ausschlag an Händen und Kopfhaut, unter dem sie leidet, wenn die Raupen Saison haben, hat im vergangenen Jahr auch die Ohren befallen. "Wir haben 600 Euro für Allergie-Behandlungen bezahlt, die von der Kasse nicht übernommen wurden", berichtete die Mutter.

Mittlerweile ist der Garten nicht nur für Carlotta Sperrzone. Auch Pinscher-Mix Mini und Terrier August, dessen Fell allergiebedingt immer lichter wird, dürfen nicht mehr dorthin.

Alles begann vor zwei Jahren mit überschaubarem Befall. "Letztes Jahr war es extremer", berichtete das Ehepaar. "Aber nachdem die Gemeinde alles hatte absaugen lassen, war der Spuk vorbei." Das ist in diesem Jahr bereits zweimal erfolglos passiert. Als Imke Schulz bei der jüngsten Prozession tausender Raupen Bürgermeister Hartmut Jonas zur Hilfe rief, rückte der spontan mit Sprühkleber und Folie an. Auch diese Bekämpfungsaktion brachte nicht den gewünschten Erfolg. Imke Schulz zeigt Fotos von den Prozessionen, die dem Tier den Namen gegeben haben. "Draußen ist Sperrgebiet", erklärte sie. "Das ist kein Zustand, ich könnte jeden Tag heulen."

Ihr Versuch, die Firma zu einem neuen Absaug-Einsatz zu bewegen, scheiterte, weil die Gemeinde Auftraggeber ist. Gleichwohl soll die Familie die Hälfte der Kosten tragen, über deren Höhe bislang nichts bekannt ist. Das sorgt doppelt für Frust. "Als wir den Baum seinerzeit zurückschneiden lassen wollten, hieß es, das ginge nicht, weil er auf Gemeindegrund steht", berichtete Manuel Schulz. "Jetzt, wo Kosten anfallen, heißt es plötzlich, es sei unser Baum." Letztendlich trägt die Gemeinde die Kosten für die Absaugaktionen zur Hälfte.

Die Familie hat die Nase voll von gut gemeinten Ratschlägen seitens des Bürgermeisters, doch selbst zum Staubsauger zu greifen. "Fachleute rücken in Schutzanzügen und mit Atemmaske an und ich soll mit dem Staubsauger loslegen", sagte die Ehefrau kopfschüttelnd. Die Familie will, dass der Baum verschwindet. "Er steht an einem Schulweg und auch bei Nachbarn hat der Befall Allergien ausgelöst", berichteten sie. "Gern pflanzen wir stattdessen fünf Linden." Selbst wenn die Raupen weg wären: Ihre unzähligen Gespinste, die jederzeit zu Boden fallen könnten, blieben noch jahrelang ein Risiko für die Familie.

Auch Bürgermeister Hartmut Jonas ist ratlos. "Die Situation ist unerfreulich für alle", sagte er. "Laut Baumkataster steht die Eiche auf dem Gebiet der Familie." Man versuche dennoch, deren Anteil an den Bekämpfungsmaßnahmen so niedrig wie möglich zu halten. "Wir erkennen die Belastung der Familie und wollen eine einvernehmliche Lösung finden", erklärte Jonas. "Zunächst ist ein Pflegeschnitt geplant, aber im Zweifelsfall hat die Gesundheit Vorrang vor der Erhaltung."

Dass Schulzes mit dem Problem nicht alleine sind, ist nur ein schwacher Trost. Insbesondere in Ribbesbüttel gab es in diesem Jahr erneut Probleme im Bereich von Schule und Kita. "Eine von uns beauftragte Firma war dort bereits zweimal im Einsatz", berichtete Fachbereichsleiter Stefan Prekale. "Vorbeugend wurden auch Bäume im Umfeld abgesprüht."

Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg - 21. Juni 2019 - - Seite 21, Foto: Daniela Burucker

siehe auch https://www.spektrum.de/wissen/welche-gefahr-droht-durch-eichenprozessionsspinner/1661130

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