2021 04 01bz1Frei nach dem Motto „Wehret den Anfängen“, geht die Gemeinde mit einem ungewöhnlichen Projekt erfolgreich gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS) vor. Mit bislang 140, in Eigenregie gebauten Nistkästen, wurden Singvögel angelockt, die junge Raupen verspeisen, bevor sie zu allergieauslösenden Spinnern heranwachsen.

 

Es gibt mehr als 500 Bäume in der gut 1800 Einwohner zählenden Gemeinde. Darunter beinahe 100 Eichen und damit auch den Eichenprozessionsspinner. Um deren Ausbreitung einzudämmen, startete die Gemeinde im Sommer 2019 ein Projekt, das den Raupen unerwartet erfolgreich, ökologisch und kostengünstig den Garaus macht.

„Ziel war, dass an jeder Eiche im Dorf ein Nistkästen hängt“, sagte Bürgermeister Hartmut Jonas. Dafür ließ er die Gemeindearbeiter zwei Winter hindurch Nistkästen bauen. Zudem veranstaltete die Gemeinde Workshops, bei denen jeder Bürger Nistkästen für den heimischen Garten bauen konnte, verteilte Bauanleitungen und rief dazu auf, Baumaterial zu spenden. „Mittlerweile hängt wohl an jedem dritten Baum im Ort ein Nistkasten und die Kosten wurden komplett aus Spenden bestritten“, berichtete Jonas.

Die Idee, den EPS durch den Einsatz natürlicher Feinde zu bekämpfen, hatte Jonas aus den Niederlanden, wo damit schon beträchtliche Erfolge erzielt wurden. Ebenso in Wasbüttel: Bereits 2020 waren die Nistkästen komplett belegt. Sperlinge und Meisen zogen ihren Nachwuchs groß und futterten die Raupen weg, die unerwartet bevorzugt direkt unter den Kästen kleine Kolonien bildeten.

„Das hat es uns einfach gemacht, sie durch einsprühen mit Haarspray zusätzlich punktuell zu bekämpfen“, berichtete Jonas. In Anbetracht der Tatsache, dass das professionelle Absaugen eines Großbaumes mit bis zu 600 Euro zu Buche schlägt und sich die Gemeinde bislang zu 50 Prozent an den Kosten für die Behandlung privater Eichen mit 50 Prozent beteiligt, eine hohe Einsparung im ohnehin klammen Budget.

Damit Kernbeißer, Buntspecht, und Co erneut in Wasbüttel brüten und fleißig Raupen futtern, haben „Nistkasten-Beauftragter“ Franz Vorderwülbecke und die Gemeindearbeiter frühzeitig alle Nistkästen an gemeindeeignen Bäumen gereinigt. „Dabei hat sich gezeigt, dass in zwei Kästen auch Mäuse gewohnt haben“, berichtete der Ehrenamtler, der privat auch einen Falkenkasten gebaut hat.

Dass es für die Piepmätze auf der Speisenkarte nicht eintönig wird, dafür sorgen unfreiwillig die Bewohner von handgefertigten Insektenhotels, die rund um die Alte Schule gruppiert sind. Das Schlaraffenland für die gefiederten Raupenvernichter komplettieren weitere Insektenhotels, die vom Nabu-Ortsverband auf der Streuobstwiese betrieben werden.

Aus der Gifhorner Runschau vom 01.04.2021, Foto: Daniela Burucker