2020 08 25bz1War der tödliche Unfall am Sonntagabend auf der Kreisstraße zwischen Isenbüttel und Wasbüttel im Kreis Gifhorn das Resultat eines illegalen Autorennens? Darauf deuten Zeugenaussagen hin – die Polizei ermittelt zu diesem Verdacht.

 

Bei dem Unfall war der Ferrari eines 38-jährigen Gifhorners bei offensichtlich viel zu hoher Geschwindigkeit von der Straße gekommen, gegen einen Baum geprallt und in drei Teile zerrissen. Der Fahrer kam dabei ums Leben.

Im Zentrum der Nachforschung der Polizei stehen nun Aussagen, dass der Wagen des Verunglückten nicht der einzige war, der mit rasendem Tempo unterwegs war. Eine Zeugin schreibt im Internet auf Facebook zum gestrigen Rundschau-Artikel: „Das waren zwei Wagen, sind mir von Wasbüttel aus Richtung Isenbüttel entgegengekommen. Die waren sauschnell und haben die Kurve geschnitten. Wir mussten selber vom Gas gehen, weil ich dachte, er schafft die Kurve nicht.“

Polizeisprecher Reuter bestätigt dies: „Es handelte sich um eine dunkle Limousine.“ Der Fahrer und Halter, ein 24-Jähriger aus der Samtgemeinde Isenbüttel, sei genauso schnell dicht hinter dem Ferrari hergefahren. Ein Gutachter schätze die Geschwindigkeit anhand der Deformationen und Brüche am 18 Jahre alten Ferrari auf 140 bis 180 Kilometer pro Stunde. Anschließend habe der Mann im Folgefahrzeug noch am Unfallort gewartet, seine Daten seien als Zeuge von der Polizei erfasst worden. Jedoch sei der Mann unter Schock stehend behandelt worden und nicht vernehmungsfähig gewesen.

Nach den Aussagen der anderen Zeugen werde nun allerdings gegen den 24-Jährigen ermittelt. Reuter: „Wenn es tatsächlich ein illegales Rennen war, dann drohen bis zu zehn Jahre Haft.“ Die Frage ist: Gab es vorige Absprachen für ein solches Duell? Um das herauszufinden, nehme die Polizei auch die Handys der beiden Beteiligten genau unter die Lupe.

„Manchmal ergeben sich solche Rennen bei bestimmten Personengruppen ja auch spontan“, sagt der Polizeisprecher. Regelmäßige Rennen seien im Kreis Gifhorn derzeit zwar nicht bekannt, aber es gebe eine belebte Tuning-Fanszene, die sich häufig an der Braunschweiger Straße in Gifhorn, Höhe Famila-Markt, treffe und durch sogenanntes Posing und durch Lärmbelästigung auffalle. Verbindungen zum Verunglückten und zum 24-jährigen Verdächtigen schließt die Polizei nicht aus.

Der Unfall weckt derweil großes Medieninteresse: Reuter hat im laufe des Montags mehrere Radio- und Fernsehinterviews geben müssen. Mehrere überregionale Zeitungen fragten nach zusätzlichen Informationen und Fotos.

Aus der Gifhorner Rundschau vom 25.08.2020, Foto: B. Ohse