2022 05 18bz2Die Kastanienhof-Sanierung läuft auf Hochtouren. Schäden in der Bausubstanz, die erst während der Arbeiten vollends zutage getreten sind, haben die Investoren kalt erwischt und dafür gesorgt, dass entgegen der Planung Gebäudeteile des historischen Gaststätten-Anwesens abgetragen werden mussten. Trotz Mehraufwand und gestiegener Kosten halten sie am mit der Gemeinde abgestimmten Sanierungskonzept fest.

Auch der ursprüngliche Zeitplan ist passé, wonach Sina Geppert und Marcel Kramer den Teil der Liegenschaft, der zur Zentrale ihrer Firma Black Palm Rum werden soll, zum diesjährigen Weihnachtsmarkt in Betrieb nehmen wollten. „Das wäre das schönste Szenario gewesen“, sagte Geppert. Mittlerweile ist davon auszugehen, dass die expandierende Firma ihren Sitz samt Räumlichkeiten für Rum-Verkostungen frühestens Mitte 2023 dorthin verlegen kann.

Ein Rückblick: 2015 hat die Samtgemeinde den Kastanienhof gekauft, zwei Jahre später beschloss sie den Abriss, schob ihn bis 2019 auf. Zwischenzeitlich hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet und Konzepte für eine Nachnutzung entwickelt. Daraus entstand der Verein Kastanienhof, der sich für den Erhalt des historischen Gebäudes stark machte. Vor beinahe drei Jahren war ein vom Verein in Auftrag gegebenes Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gebäude „zu 80 bis 90 Prozent intakt und erhaltenswert“ wäre. Es fand sich jedoch kein Investor, der die Pläne umsetzen wollte.

Vor drei Jahren wendete sich das Blatt, als Kramer sich am Rande des Weihnachtsmarktes beim damaligen Bürgermeister Hartmut Jonas nach Lagerräumen für seine Firma erkundigte. Jonas brachte den Kastanienhof ins Spiel und den Ball ins Rollen. Auf Basis des Gutachtens erwarb das Paar das Anwesen und legte in Abstimmung mit Verein und Politik ein Sanierungskonzept vor, wonach für 1,2 Millionen neun Mietwohnungen entstehen sollten. Die Gemeinde stellte daraufhin einen Bebauungsplan auf.

Erst als mit Beginn der Arbeiten das Mauerwerk komplett zum Vorschein kam, offenbarte sich das gesamte Ausmaß der Schäden. Zu durchnässten Innenwänden, Lecks im Dach und Käferfraß am Gebälk gesellte sich die Tatsache, dass die Außenwände des Hauptgebäudes nicht mehr tragfähig waren und der Rückbau unumgänglich war. „Wir haben Eichenbalken gesichert, die wir für den Bau der Bar im Verkostungsraum nutzen oder als Anschauungsobjekt präsentieren wollen“, sagte Geppert. „Wir hatten uns auf das Gutachten verlassen und uns andere Hoffnungen gemacht.“

Gekoppelt mit dem Anstieg der Preise haben die Mehrarbeiten für die Bauherren eine Erhöhung der Kosten um etwa 50 Prozent zur Folge. „Wir hoffen, dass wir die Außenwände im Stallgebäude erhalten können“, sagte Kramer. „Aber auch das lässt sich erst sagen, wenn das Dach abgetragen ist.“

Aus der Gifhorner Rundschau vom 18.05.2022, Foto: Daniela Burucker