2021 08 26bz1Die schweren Maschinen, Container und viele Bauarbeiter erregen stets Aufsehen. Das Unternehmen Gasunie und die beteiligten Bohrfirmen haben am Mittwoch beim Bau der neuen Gasleitung von Walle nach Wolfsburg einen weiteren Meilenstein erreicht: Für die Querung des Elbe-Seitenkanals wurde eine 385 Meter lange Horizontalbohrung vorgenommen.

Insgesamt 16 Hindernisse müssen bei der Leitungsverlegung auf der 33 Kilometer langen Strecke mit solch einer Maßnahme überwunden werden, sagte Projektleiter Alexander Maus. Dabei ist die Bohrstrecke unter dem Kanal noch nicht einmal die längste: „In den Naturschutzgebieten bohren wir bis zu 1200 Meter.“ Diese Bauwerke folgen im September. Zwischen Walle und Wolfsburg arbeiten schwankend zwischen 150 bis 200 Mitarbeiter aus zwölf Nationen, sagte Norbert Keßler – „darunter sind auch Spezialschweißer aus Kolumbien“.

2021 08 26bz2Am Mittwochmorgen lag das 400 Meter lange und mit Polyethylen und glasfaserverstärktem Kunststoff ummantelte Stahlrohr mit einem Durchmesser von 40 Zentimeter schon auf der Wasbütteler Seite des Kanals bereit – auf Rolllagern liegend. Das Bohrteam auf der Calberlaher Seite war bereits mit der Pilotbohrung fertig. Die treffe ihr Ziel dank modernster Technik immer auf 25 bis 50 Zentimeter genau, so Projektleiter Oliver Frey. Der Bohrkanal führte in einem Bogen zwischen sieben und acht Metern unter dem Wasser durch das Erdreich.

An das Ende des Bohrgestänges wurde dann das Rohr befestigt und in einer Dämmfüllung aus einem Betongemisch zurückgezogen. Ganz langsam, mit 100 Metern pro Stunde, zog die Bohranlage das Rohr zur Calberlaher Seite. „Das Ding muss am Abend weg sein, das ist heute unser Job“, so Pressesprecher Philipp Bergmann-Korn.

Vor dem Eingangsloch standen vier Kräne, die die Leitung in einem so genannten Oberbogen führten. Warum? Damit es nicht abknickt. Das geschweißte Stahlrohr ist flexibel, aber nur bis zu einem Biegeradius von 500 Metern, erklärte Frey. Das Ende der Leitung wurde von einer Maschine namens Seitenbaum gehalten, damit es nicht von den Rollenlagern herunterfiel.

Die horizontale Bohranlage, die bis zu 100 Tonnen ziehen kann, machte alle vier bis fünf Meter eine Pause – so lang sind die Stangen-Elemente, die auf der Ostseite wieder demontiert und gesäubert wurden. Daneben stand die Recycling-Anlage. „Darin bereiten wir mittels Zentrifugen die Bohrspülung wieder auf“, sagte Matthias Raßmann von der Bohrfirma Bohlen und Doyen.

2021 08 26bz3Die Leitung soll den neuen Gaskraftwerken des Volkswagen-Werks in Wolfsburg das nötige Gas liefern, die nächstes Jahr in Betrieb gehen. „Jährlich können so 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden“, so Maus. Wer nun glaubt, dass die Investition mit dem Wechsel zur Klimaneutralität ab 2045 schon wieder obsolet ist, sieht sich getäuscht. Pressesprecher Bergmann-Korn: „An dem roten Strich an der Seite erkennen Sie: Die Leitung ist auch schon ausgelegt für Wasserstoff.“ Bei der Gasunie richte man sich jetzt schon auf H2 als künftigen Energieträger aus.

Aus der Gifhorner Rundschau vom 26.08.2021, Fotos: Reiner Silberstein