2021 02 19az1Die Zukunft des Kastanienhofs in Wasbüttel ist gesichert: Der im Ort ansässige Unternehmer Marcel Kramer will das Gebäude samt Grundstück kaufen und als neue Zentrale für seinen Black Palm Rum nutzen. Zudem sollen in dem alten Gebäudekomplex Wohnungen entstehen.

 

Rund 1,2 Millionen Euro wollen Marcel Kramer und seine Lebensgefährtin Sina Geppert in den Kastanienhof investieren. Der Black Palm Rum, der seit 2018 auf dem Markt ist, verkauft sich mittlerweile so gut, dass der Platz bei Marcel Kramer zuhause, etwa 150 Meter Luftlinie vom Kastanienhof entfernt, nicht mehr ausreicht. Also kam bereits Ende 2019 die Idee auf, den leer stehenden Kastanienhof zu nutzen.

Kramer will dort Platz für den Black Palm Rum schaffen. Geplant ist unter anderem ein großer, gemütlicher Raum für Rum-Verkostungen in größerer Runde. „Das ist derzeit nicht möglich, weil uns der Platz fehlt“, berichtet Kramer. Zudem entstehen Lagerräume für die Fässer und Flaschen und ein Laden. „Das Konzept dafür erarbeiten wir gerade noch“, so der 33-Jährige. Perspektivisch ist es auch möglich, dass der Black Palm Rum in Wasbüttel hergestellt wird. Derzeit geschieht das noch bei einem Destillateurmeister in Jork im Alten Land. „Der Platz für eine eigene Brennerei ist vorhanden“, sagt Marcel Kramer.

2021 02 19az2Für den gewerblichen Teil des Kastanienhof-Umbaus hat Kramer einen Förderantrag bei der EU gestellt. Sobald die Zusage da ist, soll der Kaufvertrag mit der Samtgemeinde Isenbüttel unterzeichnet werden. Die Gemeinde Wasbüttel hatte jüngst mit einer Bebauungsplanänderung den Weg für den Umbau geebnet. Kramer hofft, Ende des zweiten Quartals mit der Sanierung beginnen zu können. Starten sollen die Arbeiten am Hauptgebäude, danach sind die Nebengebäude dran. Der komplette Umbau soll laut Kramer maximal zwei Jahre dauern.

Neben der neuen Firmenzentrale sollen im Kastanienhof insgesamt acht Wohnungen entstehen: drei Wohnungen im Reihenhausstil mit je 95 Quadratmetern Fläche und Gartenanteil sowie fünf weitere zwischen 70 und 90 Quadratmetern Fläche – der Bedarf in Wasbüttel ist durchaus vorhanden. Kramer berichtet von bislang knapp 20 Anfragen.

Der ortsbildprägende Kastanienhof wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. 1993 endete der Saalbetrieb, 2015 kaufte die Samtgemeinde Isenbüttel den Kastanienhof. Zunächst wollte sie dort Wohnraum für Flüchtlinge schaffen. Als sich jedoch herausstellte, dass eine Sanierung für eine lediglich vorübergehende Nutzung zu teuer wäre, rückte ein Abriss des Komplexes näher. Die Samtgemeinde suchte einen Investor, um dort ein Mehrfamilienhaus zu bauen.

Jedoch gründete sich im Ort eine Initiative, um den Abriss des historischen Gebäudes zu verhindern: der Kastanienhof-Verein. Die Mitstreiter entwickelten Ideen zur Umgestaltung und Umnutzung des Gebäudes und ließen ein Gutachten erstellen, das den Kastanienhof als erhaltenswert einstufte – das Ziel des Vereins ist nun erreicht. „Wir haben viel Arbeit und Mühe investiert. Deshalb unterstützen wir das Projekt von Marcel Kramer. Wir freuen uns, dass etwas passiert“, sagt Vereinssprecher Andreas Hestermeier.

Auis der Allerzeitung v0m 19.02.2021, Fotos: Sebastian Preuß