2021 09 22az1Es hätte so schön sein können: Noch zu Beginn der Getreideernte sah es ganz gut aus im Kreis Gifhorn, die Ernüchterung folgte im Verlauf des Sommers. Jetzt ruhen die Hoffnungen der Landwirte auf die aktuellen Feldfrüchte. Die Kartoffel soll es richten.

Beim Dinkel hat Jochen Gaus noch eine relativ gute Ernte eingefahren. „Das war sehr erfreulich.“ Beim Weizen hält sich die Freude in Grenzen. Die Sommerbraugerste sei unterdurchschnittlich. Wenigstens gebe es beim Hafer eine normale Ernte, so der Landwirt aus Ohnhorst.

„Die hohen Erwartungen sind nicht erfüllt worden“, zieht Klaus-Dieter Böse vom Kreislandvolk einen Schlussstrich unter die Getreideernte. Weniger Ertrag, schlechte Qualität: Durchweg alle Getreidesorten seien betroffen. Nur der Futteranbau auf Grünland rage heraus, weil wegen der nassen Witterung das Gras gewachsen sei.

„Die Wintergerste hatte in diesem Jahr größtenteils unterdurchschnittliche Erträge mit überwiegend schlechten bis sehr schlechten Qualitäten in der Ausbildung des Mehlkörpers im Korn“, sagt Rüdiger Fricke von der Landwirtschaftskammer in Gifhorn. Dies führe zu großen finanziellen Abzügen im Handel. Auch beim Roggen seien die Erträge unterdurchschnittlich. „Bei Braugerste und Weizen sieht es nach Aussage einiger Landwirte besser aus. Hier waren die Erträge eher durchschnittlich mit akzeptabler Qualität.“

Gaus will nicht nur jammern: „Wir haben deutlich höhere Getreidepreise als in den vergangenen Jahren.“ Reicht aber laut Böse nicht. Und es hilft jenen Landwirten nicht, die zur Risikostreuung frühzeitig feste Preise vereinbart hatten und nun weniger erhalten, als sie ohne vorherige Bindung bekommen hätten. Diese Preisbindung sei oft praktiziert – in diesem Jahr aber von Nachteil, sagt Böse.

Unter den hohen Preisen leiden laut Böse die Schweinezüchter. Denn sie müssten mehr für das Futter bezahlen. Und das bei fallenden Fleischpreisen: Verluste von bis zu 70 Euro pro Schwein machen gerade bundesweit in Medien die Runde.

2021 09 22az2Für Gaus zeigt dieses Jahr, dass man als landwirtschaftlicher Betrieb breit aufgestellt sein sollte. Er und sein Partner Ernst Lütje aus Wasbüttel blicken nun gespannt auf die Kartoffeln. „Wir können recht zufrieden sein, was Kartoffeln angeht“, sagt Lütje. In der Hauptvegetationszeit habe bei ihnen die Regenverteilung gepasst. Das sei nicht überall in Deutschland so gelaufen. Auch von der Kraut- und Knollenfäule sei man verschont geblieben. Ein Kostenfaktor schlug in diesem Jahr nicht so ein: „Wir haben deutlich weniger beregnet als sonst.“

Die Zwiebelernte sei durchschnittlich, sagt Lütje. „Da fehlt eben ein bisschen Sonne.“ Ebenso der Süßkartoffel, jene tropische Pflanze, die das Duo Gaus-Lütje in der vierten Ernte hat. In den vorigen heißen Sommern sei sie klar im Vorteil gewesen. Und aktuell? „Was wir gesehen haben, war nicht ganz schlecht“, sagt Lütje.

Bei der Zuckerrübenkampagne ist laut Fricke „mit gut durchschnittlichen Rübenerträgen zu rechnen. Allerdings werden die Zuckergehalte bedingt durch die fehlende Sonneneinstrahlung etwas geringer als in den Vorjahren erwartet.“ Lütje wagt da noch keine Prognose. „Ich bin generell vorsichtig mit zu großen Erwartungen.“

Aus der Allerzeitung vom 22.09.2021