2021 10 11bz1Prinz Albrecht von Preußen zeigt sich von seiner besten Seite. Jung, frisch und knackig. Da will der Kaiser Wilhelm nicht nachstehen. Mit leuchtend roten Bäckchen beglückt seine Majestät das Volk. Besonders in Wasbüttel. Keine Sorge, es wird keine Monarchie ausgerufen. Schon gar nicht auf der Streuobstwiese. Dort hängen die Hoheiten zuhauf am Baum – zusammen mit Dutzenden anderen Apfelsorten.

Am Samstag kennt das Volk keine Gnade. Zum Mostfest des Naturschutzbunds kommen die Apfelpflücker zuhauf. Und so purzeln die kleinen Prinzen zusammen mit Celler Dickstielen, Landsberger Renetten, Alkmenen und vielen anderen alten Apfelsorten in Eimer, Säcke und Wannen. Gegen 9 Uhr läuft der erste Apfelsaft aus den Pressen. Und er läuft und läuft bis weit in die Mittagszeit. Bernd Markert, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Samtgemeinde Isenbüttel, jedenfalls ist zufrieden. Ab und zu setzt er sich auf den kleinen Trecker, holt von der ein oder anderen Sammelstelle der rund 650 Meter langen Streuobstwiese Apfelnachschub im Anhänger. Und wenn er kommt, johlen die Kinder, freuen sich, dass die Äpfel gleich vom Hänger auf die Planen rollen. In Wannen werden sie zunächst gewaschen. Das ist an diesem Morgen unter anderem Aufgabe von Kristina Drawe und einigen Zweitklässlern der Grundschule Wasbüttel. Die Klasse zwei gehört zu den Baumpaten. Davon gibt es mehr als 100 für die 260 Bäume: unter anderem Kirschen, Mirabellen, Reneclauden und eben rund 180 Apfelbäume.

Nach dem Waschen wartet der Häcksler auf die Äpfel. Da steht Verena Markert. Ganze Äpfel rein, Apfelgeschnetzeltes raus. So geht das stundenlang. Rund 700 Kilogramm werden geerntet. Das ist zwar deutlich weniger als im vergangenen Jahr. Aber noch ganz ordentlich, so der Nabu-Vorsitzende. Der späte Frost im Frühjahr traf einen Teil der Bäume in der Blüte, dazu der nass-kalte Mai – da war den Kennern schon klar, dass die zwei Tonnen aus 2020 nicht erneut erreicht werden. Weiter geht’s zur Saftpresse – die Schlüsselstation beim Mostfest. Zwei historische Handpressen sind im Einsatz. Spätestens hier zeigt sich: Läuft bei den Wasbüttlern! Karl-Heinz Friedsmann, Dieter Peterßon und Thomas Gebauer zeigen den Grundschülern, wie sie die Presse bedienen müssen. Alles mit Handarbeit und Muskelkraft. Eimerweise fließt der frische Apfelsaft. Gegenüber an den Tischen wird er abgefüllt. Flasche für Flasche, jeder Pate bekommt seinen Anteil. Und es bleibt ausreichend übrig, um den Nabu-Apfelsaft in Zusammenarbeit mit Landwirten in der Direktvermarktung anzubieten, beispielsweise in den Hof-Shops von Gaus-Lütje in Wasbüttel und Ohnhorst.

„Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Nabu-Mitglied Karl-Heinz Ziombkowski. Er freut sich besonders über dass Interesse der jungen Helfer. Es sei wichtig, den Kindern die Natur nahe zu bringen. Deshalb biete der Nabu auch Führungen für Schulklassen an.

Denn auf der Obstbaumwiese ist nicht nur zum Mostfest Betrieb. An den Bäumen hängen 60 Nistkästen für die heimische Vogelwelt. Die greift gern darauf zurück. An einer Infotafel hängen aktuelle Belegungsstatistiken. Mal schauen, wer sich im Frühjahr so in Wasbüttel einnistet...

Aus der Allerzeitung vom 11.10.2021, Fotos: Dirk Kühn

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