2021 10 11az1Pandemie hin oder her – die Äpfel und Birnen mussten runter von den Bäumen auf Wasbüttels Streuobstwiese. Die Isenbütteler Gruppe des Nabu freute sich daher über viele Erntehelfer, die am Samstagvormittag anrückten, auch wenn es coronabedingt – wie schon im Vorjahr – leider keine Leckereien wie Kartoffelpuffer oder Apfelkuchen gab.

Der Mosttag sei „wirklich gut besucht“, stellte Nabu-Sprecherin Helga Mannes mit einem Blick in die Runde fest. Grundschüler aus dem zweiten Jahrgang waren ebenso am Start wie Obstbaumpaten und weitere Freunde der Streuobstwiese. Und zwar trotz des zunächst ziemlich kühlen Wetters: „Heute Morgen waren es um die fünf Grad, jetzt sind es immerhin schon acht“, sagte Mannes. Ein Grund mehr für die Helfer kräftig ranzuklotzen. Denn egal ob man nun Früchte pflückte, wusch oder mit mechanischen Pressen entsaftete – wer sich bewegte, wärmte den Körper auf. „Es sind sehr viele junge Väter hier, die richtig fleißig helfen. Das ist einfach toll“, bemerkte auch Isenbüttels Nabu-Chef Bernd Markert. Während die Helferzahl auf sichtbar höherem Niveau lag, fiel die Ernte in dieser Saison deutlich magerer aus als im Vorjahr. Man hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet angesichts vieler nahezu fruchtlos gebliebener Bäume. Letztlich aber trugen zumindest einige eine stattliche Zahl an Äpfeln. „So reicht es noch fürs Mosten“, sagte Mannes. Und es sei im Grunde ja auch normal, dass Apfelbäume nur alle zwei Jahre eine wirklich reiche Ernte liefern. Dem stimmte Karl-Heinz Ziombkowski, der auf der Streuobstwiese die Nistkästen betreut, zu.

Allerdings hatte der Wasbütteler noch eine weitere Erklärung für die geringer ausfallende Ernte: „Es ist schon eine Frechheit, wie viele Äpfel sich manche Leute von der Streuobstwiese holen“, berichtete er. Und zwar ohne Mitglied im Nabu oder Baumpaten zu sein! „Die kommen ganz bewusst her, wenn hier nichts los ist“, hat er beobachtet. Und dann schaufelten sie Körbe, Eimer und Kofferraum voll mit Äpfeln. Seine Frau habe ihn kürzlich zu ihrem Baum zum Pflücken geschickt, weil er „voll mit Äpfeln“ hing. „Als ich hinkam, war er komplett leer geräumt. Es lagen nur noch ein paar verfaulte Äpfel darunter“, ärgerte sich der Wasbütteler. Mal ein paar Äpfel für einen Kuchen zu pflücken, sei kein Problem. Aber Bäume vollständig abzuernten, sei absolut nicht okay, fand auch Mannes. Denn dadurch würden nicht zuletzt die Baumpaten arg enttäuscht.

Erfreulich dagegen sei, wie sich Helfer auch abseits der Aktionstage auf der Streuobstwiese einbringen, betonte Mannes. Ziombkowski etwa kontrolliert und reinigt die inzwischen 60, überwiegend von Vögeln besetzten Nistkästen. Und Vorsitzender Markert geht mit gutem Beispiel voran und mäht die Wiese regelmäßig. Im Randbereich säumen sie Benjeshecken oder auch mal Blühstreifen. Alles in allem trage die Streuobstwiese so zum Erhalt der Artenvielfalt wesentlich bei, unterstrich Mannes. Alle Früchte, die nicht schon am Samstag an Ort und Stelle verarbeitet wurden, gab der Kreisverband des Nabu übrigens in eine professionelle Mosterei. „Der Verkaufserlös des Saftes kommt dann der Wiese zu Gute“, erklärte Mannes.

Aus der Allwerzeitung vom 11.10.2021, Fot: Ron Niebuhr