2022 05 11az1Zweifachen Anlass zum Feiern gab es am Sonntag für die Mitglieder der Wasbütteler Friedenskirche. Die evangelisch-freikirchliche Gemeinschaft besteht seit nunmehr 75 Jahren, ihr Gotteshaus in Wasbüttel weihte sie vor 50 Jahren ein. Gut 80 der derzeit etwas unter 100 Gemeindemitglieder nahmen am Fest teil.

„Vor 50 Jahren haben wir in Wasbüttel gebaut“, berichtete Sabine Hoffmann aus der Gemeindeleitung. Und vor 75 Jahren gründete man die Friedenskirche. Genau gesagt vor 51 beziehungsweise 76 Jahren, denn eigentlich war das Jubiläum bereits 2021. „Wir mussten die Feierlichkeiten aber wegen Corona verschieben“, sagte sie. Das tat der Freude über die nun schon so lange währende Glaubensgemeinschaft aber keinen Abbruch.

Am 9. Mai 1946 feierte die Gemeinde ihren ersten öffentlichen Gottesdienst. „Damals noch in Allerbüttel“, erzählte Hoffmann. Im ehemaligen Kindergarten und heutigen Dorfgemeinschaftshaus. Als absehbar war, dass die Räume mittelfristig nicht mehr zur Verfügung stehen würden, suchte und fand man eine neue Bleibe am Köwecken in Wasbüttel. Das dort neu errichtete und pünktlich zum 25. Jahrestag am 9. Mai 1971 eingeweihte Gotteshaus hat sich – wie die Gemeinde selbst – im Lauf von inzwischen 50 Jahren stetig gewandelt, ist dabei aber stets den Mitgliedern ein verlässliches, geistliches Zuhause geblieben. Und zwar für Mitglieder aller Generationen, wie die große Zahl gemeindlicher Gruppen und Aktivitäten verdeutlicht. „Gewöhnliche Gottesdienste besuchen meistens um die 45 Mitglieder“, sagte Hoffmann. Parallel dazu findet – wie übrigens auch zum Jubiläum – eine Kinderkirche statt. „Dabei wird eine biblische Geschichte kreativ erzählt mit viel Singen, Basteln und Spielen“, sagte Hoffmann.

In Frauenfrühstück, Frauenhauskreis und Frauenstunde können sich die Mitglieder ebenso einbringen oder auch einfach nur dabei sein wie beim Männerkochen. Der Nachwuchs lebt das Miteinander in Spielkreis und Bibelclub oder auch bei den Pfadfindern. Hinzu kommen Aktivitäten wie Ausstellungen und Konzerte, Freizeiten, Wanderungen und Klettern, Indoor-Spielplatz, Lego-Stadt und Holzbauwelt. Sprich: Es ist immer was los in der Friedenskirche. Gemeinschaft ist den Mitgliedern wichtig, denn Baptisten verstehen sich als Teil der Gesellschaft, treten seit je her für soziale Gerechtigkeit ein.

Pastor Valery Netzer veranschaulichte das mit historischen Beispielen. So hätten Baptisten – anders als viele ihrer Zeitgenossen – den amerikanischen Ureinwohnern ihr Land nicht einfach weggenommen, sondern es abgekauft. „Und Dr. Martin Luther King, ein Baptist, hat die Bürgerrechtsbewegung in Amerika angeführt“, sagte Netzer. Im Festgottesdienst predigte der Pastor zum Thema „Friedenskirche – der Name ist Programm“. Nach dem Mittagessen schloss sich ein Festprogramm mit Musik und Gesang, Interviews und Bildershow sowie Glückwünschen von Wasbüttels Bürgermeister Jean-Claude Freund an.

Aus der Allerzeitung vom 11.05.2022, Foto: Ron Niebuhr