Die Wasbütteler Schulchronik berichtet über eine 900-Jahr-Feier im August 1951, die eigentlich schon im Jahr 1922 hätte gefeiert werden müssen.

 

 

 

Ein Gedenkstein erinnert an das Ereignis.
Dieser Findling war vorher ohne Inschrift im Gemeindegarten aufgestellt.
Zur 900-Jahr-Feier wurde er mit entsprechenden Jahresinschriften versehen, zum "Dorfplatz unter den Eichen" (heute Schützenplatz) geschafft und dort feierlich enthüllt.
An seinem abgelegenen Standort geriet er vorübergehend in Vergessenheit und wurde später an den jetzigen Platz an der Ecke Hauptstraße/ Kapellenstraße gebracht.

 

 

Auszug aus der Schulchronik des Jahres 1951:

 

900-Jahrfeier der Gemeinde Wasbüttel.

Auf Grund von Aktenstudien stellte der Unterzeichnete (Anm.: Schulleiter Walter Stock) fest, daß die Gemeinde Wasbüttel urkundlich erstmalig im Jahre 1022 erwähnt wurde. Bei der Zehntfestsetzung oder der Aufstellung der Zinszahlung für das bischöfliche Kloster Halberstadt verankerte man im Jahre 1022 den Namen des Ortes als Wilradesbutle, was Besitztum des Wilrades bedeutet. Aus Wilradesbutle wurden die Namen Wilradesbuttle, Wilradesbutile, Wordesbuttel, Werdesbuttle, Wardesbuttel, Wersbuttel, Wasbüttel.

Diese einwandfreie geschichtliche Feststellung gab den Anlaß zur Gestaltung zur 900-Jahrfeier der Gemeinde. Nach umfangreichen Vorbereitungen, die zunächst vom Unterzeichneten selbst getroffen wurden, bildete sich ein Festausschuß mit je einem Mitgliede der Vorstände aller Ortsvereine und Berufsorganisationen. Ihm gehörten an:

1. Schulleiter W. Stock als Vorsitzender
2. Bürgermeister Ernst Hoppe
3. Bauer Arnold Glindemann
4. Bauer Heinrich Karsten
5. Bauer Ernst Deneke
6. Bauer Paul Lütje
7. Maurer Willi Ente
8. Rentier Ernst Dahlmann
9. Arbeiter Hermann Vellguth
10. Landwirt Alfred Scheller
11. Kaufmann Paul Kaehler

In unzähligen Ausschußsitzungen wurde das Fest eingehend vorbereitet. Sämtliche Mitglieder waren in allen Fragen einmütig, und auch in der Bewilligung der zu bestreitenden Unkosten zeigte sich größte Einmütigkeit.

Allen Herren gebührt darum uneingeschränkter Dank für die uneigennützliche Arbeit. Da das Fest eigentlich schon 1922 gefeiert sein mußte, galt diese Feier eigentlich nur als Nachfeier. Trotzdem wurde sie großzügig gestaltet.

Die Festtage wurden auf den 4. - 6. August 1951 gelegt. Ein geschichtliches Dokument, aus dem das Werden der Gemeinde von der Urzeit bis zur Jetztzeit erkannt werden konnte, galt als Festzeitung. Es liegt diesem Bericht als Anlage bei.Am 4. August abends leitete ein Lampion-Umzug an dem sich groß und klein beteiligte, das Fest ein. Auf dem Dorfplatz unter den Eichen (Anm.: jetzt Schützenplatz) wurde ein Findling mit entsprechenden Jahresinschriften feierlich enthüllt. Nach einem Feuerwerk fand für alle Gemeindemitglieder ein Kommers statt, auf dem dankbar aller derer gedacht wurde, die sich selbstlos in den Dienst des Festes gestellt hatten oder durch freiwillige Spenden die finanzielle Grundlage des Festes sicherten.Der 5. August brachte die Höhepunkte der Feier. Nach dem Wecken durch die 22 Mann starke Feuerwehrkapelle Gifhorn und des Posaunenchors Isenbüttel fand die Einweihung des erweiterten Ehrenmals auf dem Friedhofe statt. Ihm schloß sich ein Feldgottesdienst an.
Nun setzten die einzelnen Veranstaltungen ein. Die Ortsfeuerwehr bot eine Einsatzübung, die Gifhorner Kapelle gab ein Platzkonzert, der Schäferhundverein gab Proben seiner Übungen mit Polizeihunden, die Sportvereine Isenbüttel und Wasbüttel maßen ihre Kräfte im Fußballspiel.
Zu dem feierlichen Festakt, der 14.30 Uhr begann, hatten sich tausende von Menschen aus der nahen u. weiten Umgebung eingefunden.Unter feierlichem Glockengeläut schritten die Ehrengäste, der Festausschuß und der Gemeinderat nach dem Festplatz.

Vertreten waren
Regierungspräsident Dr. Koch - Lüneburg
Oberkreisdirektor Dr. Ackmann - Gifhorn
Bürgermeister und Stadtdirektor von Gifhorn
alle Bürgermeister mit ihren Vertretungen der umliegenden Gemeinden
Schulrat a. D. Baumgarten - Gifhorn
Mittelschullehrer Zeitz - Gifhorn
Pastor Pabst - Isenbüttel
und viele Vertreter namhafter Organisationen des Kreises.

Die Festrede, die die geschichtliche Bedeutung der Feier erläuterte, hielt der Unterzeichnete. Vor Beginn des historischen Umzuges steigen 500 Tauben des Gifhorner Taubenvereins auf. Sie gaben den Start zu einem geschichtlichen Umzuge, der für unsere Gemeinde einmalig bleiben wird. Aus allen geschichtlich bedeutenden Zeitaltern wurden Gruppen und Trachten geboten, die die Aufmerksamkeit aller Erschienenen auf sich lenkten. Der Umzug ist unleugbar der genialste Schwung des gesamten Festes gewesen. Er fand einen würdigen Abschluß in den Darbietungen des Reitvereins Papenteich - Meine.

Daß das festliche Treiben und das Tanzen in den Zelten einen harmonischen Verlauf nahm, bleibe nicht unvergessen. Das Festtreiben konnte so große Ausmaße annehmen, weil der Bauer Walter Baars in liebenswürdiger Weise eine große Festwiese zur Verfügung stellte.

Der 6. August brachte für die Schuljugend u. für die Erwachsenen ein großes Preisschießen. Nach einem gemeinsamen Dorfessen, an dem sich 684 Personen beteiligten und das ein würdiges Zeugnis geschmackvoller Zusammenstellung der Speisen gab, rollte der Kindertanz ab, dem sich dann ein fröhliches Treiben bis in die Morgenstunden anschloß.

Der 12. August brachte für uns alle einen Dankgottesdienst in der Kirche zu Isenbüttel. Er ließ uns in seinen Grundgedanken daran erinnern, daß geschichtliches Werden göttliche Ideen in sich bürgt.

Nicht unerwähnt darf bleiben, daß acht Tage vor dem Feste ein Gemeindeabend veranstaltet wurde, auf dem Schulrat a. D. Baumgarten und Mittelschullehrer Zeitz - Gifhorn wertvolle Ausführungen über orts- und kreisgeschichtliche Tatsachen brachten, in denen besonders auf die Ausgrabungen auf unserem urgeschichtlichen Totenacker, dem Pottberge, hingewiesen wurden.

Dankbar sei all derer gedacht, die das Dorf zu diesen Tagen glanzvoll schmückten, die geschmackvolle Transparente über die Straßen zogen u. schon von weitem alle Einkehrenden auf die hohe Bedeutung unserer 900-Jahrfeier hinwiesen.

Das ist wohl der schönste Dank, den unsere Gemeinde erntete, als man vieler Ortes das Urteil vernahm: Wasbüttel war nicht wiederzuerkennen.

 

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Auch die Presse berichtet über die 900-Jahr-Feier. Im April 1951 wird in der Allerzeitung das Fest angekündigt.

 

 

 

Allerzeitung, Sonnabend/ Sonntag 28./ 29. April 1951 – Unsere Heimat


Wasbüttel feiert sein 900jähriges Bestehen

 

Ein großes Festprogramm vom 4. bis 6. August – Aus Wasbüttels Geschichte


Begegnet man einem Menschen, der nicht zu sagen vermag, wie alt er ist, so findet man das – gelinde gesagt – erstaunlich, da die Angabe des eigenen Lebensalters allgemein zu dem Grundwissen eines Menschen gehören sollte. Diese Grundregel hat nicht mehr unbedingt Gültigkeit, wenn es sich um das Lebensalter eines ganzen Dorfes handelt und die Zahl der Jahre fast an die Tausendjahrgrenze heranreicht, wie dies in Wasbüttel der Fall ist.


Die Wasbütteler, die allem Anschein nach in den turbulenten Jahren nach dem ersten Weltkrieg im Jahre 1922 vergessen haben, ihren 900. Geburtstag zu feiern, gehen jetzt daran, dieses wichtige Fest nachzuholen, nachdem ihr Lehrer Stock bei privaten Nachforschungen in heimatgeschichtlichen Aufzeichnungen des Schulrats a. D. Baumgarten darauf gestoßen ist, dass der Ort Wasbüttel (damals nach „Wilradesbutle“, später „Werdesbuttle“, „Wardesbuttel“ und „Wersbuttel“ genannt), erstmalig im Jahre 1022 urkundlich im Zusammenhang mit der Zehntfestsetzung für das bischöfliche Kloster Halberstadt erwähnt wurde. Nachdem man die Urkunde auf ihre Richtigkeit geprüft und festgestellt hatte, dass auch die Möglichkeit einer 925-Jahrfeier verpaßt worden war, ist man sich in der Dorfgemeinschaft darüber einig geworden, nachträglich, und zwar vom 4. bis 6. August 1951, das 900jährige Bestehen des Ortes zu feiern, um nicht bis 1972 auf die 950-Jahrfeier warten zu müssen.


Dass die Siedlung Wasbüttel tatsächlich älteren Ursprungs ist, als die die Aufzeichnungen der Geschichtsforscher Bückmann und Kühnel (1815) bestätigen, geht allein aus den eisenzeitlichen Urnenfunden hervor, die man auf dem „Pottberg“ bei Wasbüttel gemacht hat. Der Gifhorner Lehrer Bernhard Zeitz, vielen Kreiseinwohnern auch als Leiter und Organisator des Gifhorner Heimatmuseums bekannt, schreibt hierüber u. a. im Kreiskalender des Jahres 1934: „Der Urnenfriedhof liegt auf einer Anhöhe und deren nach Südwesten geneigtem Abhange in Richtung OSO von Wasbüttel. Im Osten durch das Tal der Helenriede und im Westen durch den Lauf eines Bächleins begrenzt, das bei Wasbüttel in die Riede mündet, beherrscht dieser flache Höhenrücken weithin die Umgebung. Durch diese Lage also schon naturhaft begünstigt, wählten ihn zwischen 400 und 500 v. Chr. die Westgermanen zur Ruhestätte ihrer Toten. Nach dem häufigen Auftreten eisenzeitlicher Urnenfriedhöfe dieser Stufe zu urteilen, muss man mit einer verhältnismäßig starken Besiedlung während dieser urgeschichtlichen Periode in unserer Heimat rechnen.“ - Da die Bestehenszeit einer Gemeinde jedoch erst von ihrer ersten urkundlichen Erwähnung ab rechnet, ist die Urkunde aus dem Jahre 1022 für die Festsetzung des Alters der Gemeinde Wasbüttel maßgebend.


Neben der genannten Urkunde ist bis zum 15. Jahrhundert aus Wasbüttel nichts bekannt. Aus dem Jahre 1450 wird berichtet, daß ein Jan von Campe einen Braunschweiger Bürger mit einem Hof aus Wasbüttel belehnt habe. Der Name v. Campe taucht später nochmals auf. Die alte Wassermühle am Ortsausgang nach Calberlah, heute im Besitz der Frau Adele Hotop, geb. Niebuhr, wird gegen Ende des 15. Jahrhunderts erstmalig erwähnt. Aus jener Zeit etwa stammen auch der Hotopsche Bauernhof und die Kapelle.


Wie Schulrat a. D. Baumgarten zugesagt hat, wird er etwa 14 Tage vor der 900-Jahrfeier im Rahmen eines Dorfabends ihm bekannte geschichtliche Einzelheiten aus Wasbüttel und anderen Ortschaften des Papenteichs vortragen. Die Festlichkeiten selbst werden durch Errichten eines mit einer Inschrift versehenen Findlings am Sonnabend, 4. August, eingeleitet. Mit der Einweihung eines Ehrenmales für die Kriegsopfer der Vertriebenen in dem 1948 von Professor Thunesius, Braunschweig, erbauten Ehrenhain beginnt der erste Festtag, der weiter Darbietungen sämtlicher Vereinigungen und Organisationen bringen wird. Höhepunkt dieses Tages ist ein historischer Umzug, an dem sich sämtliche Einwohner zu Pferd oder auf Wagen beteiligen sollen. Der zweite Festtag sieht ein Scheibenschießen, Belustigungen aller Art und als Abschluss einen großen Festball vor.


Am 14. April wurde unter Mitwirkung des Gesangvereins in feierlicher Form bereits auf dem alten Festplatz hinter dem Waisenheim eine Eiche zur Erinnerung an die 900-Jahrfeier gepflanzt. Wegen der ungünstigen Pflanzzeit im August wurde dieser Festakt schon jetzt vorgenommen. Ein Aufruf an die Bewohner des Dorfes und Umgebung, anlässlich der Feier ein „Dorfgedicht“ zu verfassen, hat bereits Erfolg gehabt. Eine ganze Reihe von Gedichten und Erzählungen, von denen die besten mit wertvollen Preisen bedacht werden, liegen bei Lehrer Stock, dem Vorsitzenden des Festausschusses vor. Um unter einer möglichst großen Zahl die Auswahl zu haben, bittet der Festausschuß die Bevölkerung jedoch um weitere Zusendungen, wobei nochmals darauf hingewiesen wird, daß das Thema völlig frei gewählt werden kann.

Der Zeitungsausschnitt wurde von Dieter Knospe zur Verfügung gestellt.


 

 

Über das eigentliche Fest am 5. August 1951 stand in der Allerzeitung folgender Artikel:

 

 Allerzeitung, 6. August 1951, Stadt und Land

 

Wasbüttel im Zeichen der Festfreude

 

Regierungspräsident Dr. Koch: Harmonie, Bürgersinn und Leistungswille

Wasbüttel. Im Mittelpunkt des gestrigen Haupttages der 900-Jahrfeier stand der Festakt, zu dem sich auf das Glockenzeichen der alten Kapelle hin die gesamte Einwohnerschaft des Dorfes auf der fahnengeschmückten Festwiese vereinigt hatte. In strahlendem Sonnenschein lag der weite Platz, als die 500 Brieftauben wie eine flatternde Wolke aufstiegen und noch einmal über dem festlich geschmückten Jubiläumsdorf kreisten, ehe sie in Richtung des heimatlichen Schlages am sommerlichen Himmel verschwanden. Als Symbol für die Verbundenheit der heutigen Dorfeinwohner mit der lebendigen Vergangenheit wurde eine auf dem Pottberg entzündete Fackel durch eine Staffette herangetragen, mit der die drei rotleuchtenden Feuer am Fahnenmast entzündet wurden, die somit gleichsam die Brücke über die Jahrtausende schlugen.


Besinnung auf die Tat

Nach einem Prolog entbot Bürgerm. Hoppe der vielhundertköpfigen Menge den Willkommmensgruß der Gemeinde. In seiner Rede betonte er, daß diese Jubiläumsfeier gleichsam auch ein Ausdruck der Liebe zur Scholle und des unverbrüchlichen Zusammengehörens aller Volksschichten sei. Der Zukunftswert dieses Festes liege in der Besinnung auf die Tat, nach der allein die Nachkommen die heutige Generation werten würden.


Schulleiter Stock begrüßte als Vorsitzender des Festausschusses u. a. Regierungspräsident Dr. Koch, Oberkreisdirektor Dr. Ackmann, Landtagsabgeordneten Fr. Zimmermann – Isenbüttel, Bürgermeister Scharpenberg – Gifhorn, Stadtdirektor Dr. Rattey – Gifhorn, den Leiter des Heimatmuseums, Lehrer Zeitz, Professor Hotop – Lagesbüttel, Kreisbrandmeister Saevecke – Wittingen und Notar Schwieder – Schöppenstedt. Er gab einen ausführlichen Überblick über die tausendjährige Geschichte Wasbüttels, die in der Verpflichtung mündete, die in Pottberg vergrabenen Zeugnisse der Vergangenheit heilig zu halten.


700 Jahre Schicksalsgemeinschaft

Regierungspräsident Dr. Koch, der die Grüße der Regierung überbrachte, betonte, daß es in der deutschen Geschichte ein seltener Vorgang sei, dass die Einwohner eines Regierungsbezirks mehr als 700 Jahre unter der gleichen Verwaltung eine Schicksalsgemeinschaft bildeten. Die stark entwickelte Heimatliebe des niedersächsischen Bauern sei die Voraussetzung für seine Vaterlandsliebe. Auch bei einer künftigen Verwaltungsreform müßten solche traditionellen Bindungen berücksichtigt werden. Die Jugend müsse sich den Leistungen der Vorfahren würdig erweisen. Er endete seine Ansprache mit den besten Wünschen für die Zukunft Wasbüttels, wie sie in den Begriffen Harmonie, Bürgersinn und Leistungswille zum Ausdruck kommen.

Professor Dr. Hotop, der in Kürze seinen 90. Geburtstag begehen kann, wandte sich vom Festwagen des ältesten Wasbütteler Hofes an die versammelten Einwohner und berichtete in humorvoller Art aus dem Wasbüttel seiner Kindheitstage, als noch viele Knicks (breite Hecken) und Büsche die Ackerlandschaft unterbrachen, als noch viele Häuser mit Stroh bedeckt waren und die nur aus dem Vorsteher bestehende Gemeindeverwaltung noch mit der Trommel die Gemeindemitglieder zu wichtigen Beschlussfassungen zusammenrufen ließ. Er rief die Erinnerung wach an das 1871 gefeierte Siegesfest, daß dem deutschen Volke die Einheit gebracht habe. „Wir würden uns freuen“, rief er aus, „wenn wieder Ost und West zusammenkämen! Was für ein Fest wäre dann zu feiern, wenn die deutsche Einheit wieder hergestellt würde, wenn die Zonengrenze und alles sonstige trennende Fremde verschwinden würde!“

Notar Schwieder überbrachte auf Plattdeutsch die Grüße der Eulenspiegelstadt Schöppenstedt, die ebenfalls in diesem Jahre ihr 900jähriges Bestehen feiert, und gleichzeitig eine Einladung zur Teilnahme an der Schöppenstedter Jubiläumsfeier für Lehrer Stock.

Oberkreisdirektor Dr. Ackmann überbrachte die Glückwünsche des Landrats und der Kreisverwaltung und hob hervor, daß es nicht das Kaisertum war, das Wasbüttel die Zeiten des Glücks und der Not bis auf den heutigen Tag überstehen ließ, sondern der Fleiß und die Zähigkeit des niedersächsischen Bauern. Er endete mit dem Wunsch, den vielen Ernten im Laufe der Jahrhunderte in diesem Jahre eine neue reiche anzureihen, der sich in künftige Jahrhunderte hinein noch viele anschließen mögen.


Ein Festzug, wie ihn Wasbüttel noch nie sah
Im Anschluß an diesen feierlichen Festakt formierte sich der lange bunte Festzug, der sich unter den Girlanden und zahlreichen großen Ehrenpforten hindurch durch das ganze Dorf bewegte. Hinter zwei mittelalterlich gekleideten Herolden zu Pferde folgten in langer farbenfreudiger Reihe in bunter Folge die Ehrenjungfrauen, hellgekleidete Mädchen mit Blumenbögen, Ordensritter im Kettenpanzer mit wehenden roten Umhängen, die Abordnungen der Vereine aus den Nachbargemeinden mit ihren Fahnen und zahlreiche reichgeschmückte Festwagen, die auf die Geschichte und wirtschaftliche Betätigung der Bewohner hinwiesen, die Feuerwehr mit einem großen Fahrzeug, der Kleingärtnerverein mit einem zwerggeschmückten Wagen, ein Erntewagen

aus alter Zeit, Trachtengruppen, die glänzenden Pferde des Reit- und Fahrvereins Papenteich mit ihren Reitern, um nur einige zu nennen. Im ganzen ein Umzug, wie ihn Wasbüttel in seiner ganzen 900jährigen Geschichte vermutlich noch nicht gesehen hat.

Der Nachmittag stand im Zeichen der Vorführungen des Reitervereins Papenteich, und am Abend wurde in den Zelten zu den Klängen der Gifhorner Feuerwehrkapelle getanzt und fröhlich gezecht.


Heimatkenntnis in der Ehrenmalweihe

Die Einleitung des Festzuges hatte am Morgen das Wecken des Isenbütteler Posaunenchores gebildet. Am Vormittag wurde das erweiterte Ehrenmal für die Vertriebenen enthüllt und eingeweiht. Lehrer Stock bezeichnete das Mal als ein Symbol für die hoffentlich recht bald in sich geeinte Heimat. Während das Lied vom guten Kameraden gespielt wurde, wurden Kränze der Gemeinde Wasbüttel, des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes, des Reichsbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des ZvD niedergelegt. Herr Müller-Kölling betonte in seiner Ansprache, daß dieses Denkmal dazu angetan sei, den Heimatvertriebenen, die die Gräber ihrer Lieben in ferner, zur Zeit unerreichbarer Erde wissen, Trost zu spenden. Der Kreisvorsitzende des ZvD., Dr. Ohly, stellte in den Mittelpunkt seiner Rede den Gedanken, der Heimat treu zu bleiben.


Der anschließende Festgottesdienst wurde von Sup. Chappuzeau, Gifhorn, und Pastor Pabst, Isenbüttel, gestaltet. Die Ortsfeuerwehr hielt in Gegenwart des Kreisbrandmeisters eine Übung ab. - Ein zwischen den Vereinen Wasbüttel und Isenbüttel ausgetragenes Fußballspiel endete mit einem 1:0-Sieg für Wasbüttel. Vorführungen des Schäferhundevereins Wasbüttel vervollständigten das reichhaltige Programm des Tages.


Im Lichte der Fackeln und Lampions

Den Auftakt am Vorabend bildete der Zug vom Gasthaus Alpers zum Platz am Waisenhaus, wo Lehrer Stock nach dem einleitenden Lied des Männergesangvereins Wasbüttel „Wo gen Himmel Eichen ragen“ die Enthüllung des Gedenksteines an die 900 Jahrfeier vornahm. Mit einer Fackel wurde sodann der Feuerstoß angezündet von dem dann später zum Lampionumzug durch das Dorf alle Fackeln und Lampions ihr Feuer nahmen. Beim ältesten Einwohner der Gemeinde, dem 87jährigen Karl Ehnte, wurde Halt gemacht, um ihm ein Ständchen zu bringen. Anschließend bewegte sich der lange Zug, in dem mehrere hundert Lichter und Fackeln brannten, zum Festplatz. Bei dem folgenden Kommers dankte Lehrer Stock der gesamten Gemeinde für die Mitarbeit an der Vorbereitung diese großen Festes, insbesondere dem Bauern W. Baars, der seine Wiese für die Feierlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte.

Im Rahmen dieses Kommerses wurden auch die Festgedichte vorgetragen, die von Heinrich Schaper (Gravenhorst), Heinrich Hoppe aus Allenbüttel und Otto Schlüter (Wasbüttel) stammen, während der Verfasser des vierten anonym geblieben ist. Zwei dieser Gedichte waren in plattdeutscher Sprache geschrieben.

Der Zeitungsausschnitt wurde von Dieter Knospe zur Verfügung gestellt.

 

Eins der preisgekrönten Gedichte fand Dieter Knospe in seinen Unterlagen:

 

 W a s b ü t t e l , am Riedestrand.

 

Wo gen Himmel Eichen ragen,

Saatengold die Scholle schmückt,

Wiesengrün die Weite tragen,

Die mein stilles Dorf umgibt.

 

Walder grüßen mir zur Seite,

Und die Helenriede fließt,

Durch die weite Wiesenbreite,

Heimatdorf, sei mir gegrüßt.

 

Deiner Dächer Rotbrandschimmer,

Grüßt mich aus der Ferne schon.

Durch der Mittagssonneflimmer

dröhnt vom Turm ein Glockenton.

 

Mittagsruh, - umwirbt in Träumen,

Liegst Du stilles Dorf in Ruh.

Lauschend hör ich aus den Bäumen

Drosselsang, erquickend zu.

 

Möge dieser tiefe Frieden

Dich umhegen fernerhin.

Stilles Dorf, - ich muß Dich lieben,

Du bezauberst meinen Sinn.

 

Sei gegrüßt mir aus der Ferne,

Aus den grauen Alltagsstand.

Möge leuchtend deine Sterne

Wasbüttel, am Riedestrand.

 

 

Heinrich Schaper, Gravenhorst.
Preisgekrönt auf der 900-Jahrfeier des Dorfes Wasbüttel.

5. August 1951.