So lebendig kann Ortsgeschichte sein. Die Initiative "Wasbütteler Dorfleben" hatte sich die Geschichte der Schmiede Scheller ausgesucht und seit Mitte August Details aus der Entwicklung des Wasbütteler Familienbetriebes recherchiert. Renate Altenkirch stellte nun die Ergebnisse in der Reihe "Kaffee mit Schlag" in der Alten Schule vor - und alle Plätze waren besetzt, ganz vorn Inge Scheller, Ehefrau von Ernst Scheller junior, der 2008 Wasbüttels erster Ehrenbürger wurde. Er hatte den väterlichen Betrieb seit 1955 geführt.

Altenkirch erinnerte an die Anfänge 1920, zeigte den schmuckvollen Meisterbrief von Ernst Scheller senior, der mit 34 Jahren seinen eigenen Betrieb eröffnete. "Das Wohnhaus hatte damals einen repräsentativen Eingang, heute geht man durch den Zugang der Waschküche." Das Feuer in der Esse brannte immer. "Um Pferde beim Beschlagen zu beruhigen, hielt ihnen der Schmied Petersilie unter die Nase", berichtete Altenkirch. Schnell wurde Scheller Spezialist für Pflüge und später für Wartung der neuen Gummiwagen. Der erste kam 1933 an - gekauft von Albert Striepe, Vater von Isenbüttels Urgestein Henny Knoll. Die konnte auch helfen, als Altenkirch fragte: "Hier auf dem Bild soll auch unser Ernst Scheller als Kind sein. Weiß jemand wo?" Kein Problem für Henny Knoll (Korr.: es war Anneliese Gliemann): "Da ist er - mit Hut und Schnut!" Auch beim zeitlichen Einordnen einzelner Fotos konnten die Besucher helfen. "Das muss 1984 gewesen sein. Das erkennt man an dem weißen Passat - den hat Ernst da gefahren." (falsch zitiert: das Jahr war 87/88 ..., der Fahrer wurde nicht erwähnt - es war jedenfalls nicht Ernst)

Scheller junior gelang es, sich in den 50er Jahren immer wieder neue Aufgabenfelder zu erobern. Sein Geschäft war zeitweise Nahversorger mit Haushaltsartikeln und Konserven, 1958 wurde die alte Schmiede zur Halle für die großen Ackergeräte umgebaut. Zu Schmiedearbeiten kam Installation von Bädern und Wartung der neuen Mähdrescher dazu - schon 1936 hatte sich der Senior spezialisiert, Lanz-Fahrzeuge zu betreuen, Flügelmäher und Selbstbinder zu reparieren. Für Schmunzeln sorgte eine Anekdote: Bei der Konstruktion erster Pflanzenschutzspritzen mit Druckluftfässern explodierte eins der Gefäße. Trotzdem wurde ein Verkaufsschlager geboren. "Wir waren bis nach Bokensdorf damit unterwegs", berichtete Inge Scheller.

Von 1957 bis 1970 gab es sogar eine Schmiedezweigstelle in Ohnhorst. Altenkirch verriet: "Die Ehefrau des Gesellen dort erzählte mir: "Immer wenn die Pferde beschlagen wurden, konnte ich draußen keine Wäsche aufhängen."

Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 19. Oktober 2011, Gifhorn Lokales, Seite G04, Foto: Alisch