Eine Hand hält das alte schwarz-weiße Scheunenfoto vor die Kamera. Und wie von Zauberhand fügt es sich ins bunte Wasbüttel von heute. Ein Trick? Eine optische Täuschung? Nein, eine geniale Idee.

Für ihre Ausstellung "Blick in die Vergangenheit", ihr erstes öffentliches Projekt, hat die Wasbütteler Geschichtswerkstatt unter ehrenamtlicher Leitung von Christine Linne 19 Motive, die sich über die Jahrzehnte verändert haben, analog und digital in Deckung gebracht.

Auf einen Blick sieht der Betrachter damit zweimal Wasbüttel. Das Dorf aus dem Archiv und die Gemeinde von heute. Ausgangssituation und derzeitiger Endstand der Dorfgeschichte sind nicht nur im Zeitraffer, sondern gleichzeitig ersichtlich.

"Die Idee haben wir aus dem Internet", räumt Linne ein. Aber Umsetzung und Machart durch die fast zehn Mitglieder der Geschichtswerkstatt sind ebenso individuell und typisch Wasbüttel wie die von vielen Bürgern eingereichten uralten Fotos, die Ausgangspunkt der Motivrecherchen waren.

Wo steht das Haus? Wo stand die Scheune? Wie verlief die Straße? Wie ist der Baum gewachsen oder ist er gefällt? Die historischen Motive vor aktueller Kulisse geben Antwort und beleben die Erinnerungen, die mit speziellen Orten verbunden sind.

Linne, Pädagogin mit Schwerpunkt Erinnerungskultur, dankte den Wasbüttelern, die ihre privaten Archive geöffnet haben - und setzt darauf, dass die erste Kollektion auch jene überzeugt, die bisher noch den Deckel auf ihren Alben gehalten haben.

Das Interesse am Sonntag war jedenfalls groß. Ältere sahen ihr Wasbüttel von vor 30, 50 oder 70Jahren wieder. Jüngere und Neubürger verstanden plötzlich, was einmal war, was die Alteingesessenen meinen, wenn sie von längst vergangenen Häusern, Gassen oder Winkeln sprechen.

Verständnis und Einordnung erleichtert die klare Beschriftung der Bilder mit Ortsangabe und ergänzender Datierung des Ursprungsmotivs und der Neuaufnahme.

Genug gesehen? Dann wagten die Wasbütteler einen Blick in die Küche. Dort gab es nämlich frischen Kaffee und leckeren Kuchen zur Eröffnung.

Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 5. Oktober 2011, Gifhorn Lokales, Seite G04, Foto: Christian Franz