Viele Orte haben Dorfchroniken. Auch die Wasbütteler wollen sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen - der Verein Dorfleben macht das auf eine ganze andere, spannende Art: in einer Geschichtswerkstatt. Und die Resonanz ist beeindruckend.

Die Idee dazu hatte Christine Linne, die vor fünf Jahren aus Braunschweig nach Wasbüttel zog. Zu den Themen Kriegsflüchtlinge, Schmiede Scheller und historische Fotos waren die Stammtische überraschend gut besucht. "Die Leute haben richtig eifrig mitgemacht", freut sie sich.

Die Idee der Geschichtswerkstatt geisterte schon lange in den Köpfen der Vereinsmitglieder herum - nach Sanierung der Alten Schule gibt es endlich auch Zeit und Raum dafür.

"Es geht um die Lokalgeschichte der kleinen Leute", sagt Linne. Zeitzeugen und Interessierte bringen im Gespräch immer mehr Details ans Tageslicht. Das wirft wieder neue Fragen auf, die erneut geklärt werden wollen, und so weiter. "Im Laufe der Zeit entsteht ein umfassendes Bild. Irgendwann von ganz Wasbüttel?"

Auch eine Idee der Pädagogin: Die Wasbütteler sollten mit offenen Augen und Kamera durch den Ort gehen und die Stellen erneut ablichten, von denen sie alte Fotos haben. Beides wird anschließend am Computer verschmolzen, so dass ein beeindruckender Blick in die Vergangenheit entsteht.

Das Tolle am Geschichts-Projekt: "Jeder kann sich einbringen mit dem, was er weiß." Alle sind eingeladen. Und: Die Geschichtswerkstatt bringt Alt und Jung zusammen - ein schöner generationsübergreifender Nebeneffekt.

Renate Altenkirch hatte allein zur Schmiede neun Din-A-4-Seiten protokolliert - hauptsächlich mit Zeitzeugenberichten von Angehörigen und ehemaligen Gesellen. "Dabei erfährt man nicht nur etwas über die Schmiede, sondern auch, wie sich die Arbeit verändert hat", so Altenkirch, "das begeistert mich."

Es gibt nur ein Problem: Es werde viel durcheinandergeredet, die Protokolle müssen irgendwann sortiert und die vielen Fotos gescannt und eingeordnet werden. Altenkirch: "Wir wollen ja nicht, dass das Wissen und die Erinnerungen verpuffen. Jetzt kommt die Arbeit." Sie sitze manchmal bis nachts um 1 Uhr am Schreibtisch. Die Menschen vom Dorfleben könnten also noch Hilfe gebrauchen.

Die Ergebnisse sind so umfangreich und vielfältig - viel zu schade, um nur ein Buch daraus zu machen, finden Linne und Altenkirch. Denkbar seien auch Filmvorführungen, Zeitzeugengespräche oder gar ein Geschichtsfest. Erst einmal ist geplant, eine kleine Ausstellung in der Alten Schule auf die Beine zu stellen. Als Termin ist zunächst der 3. Oktober angepeilt.

Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 3. September 2011, Gifhorn Lokales, Seite G06, Foto: Silberstein