Laut, schrill, überdreht: Christian Bormann präsentierte „Die fromme Helene – oder: Schwül war die Nacht“ wirklich sehr eigenwillig. Der Sänger und Schauspieler hat Wilhelm Buschs Moritat in eine Solo-Operette verwandelt. 

Die One-Man-Show entpuppte sich als Härtetest für die Lachmuskeln manches Zuschauers und für die Bausubstanz der Alten Schule. Hanni Knospe hat Bormann nach Wasbüttel geholt: „Ich habe ihn zwei Mal erlebt. Seitdem bin ich ein Fan.“

Aber wo bleibt der Künstler bloß? Minuten verstreichen, von Bormann keine Spur. Nur Elona Schneider harrt tapfer am Klavier aus. Hat er vielleicht den Weg nach oben nicht gefunden? Ist er gar in der Garderobe eingeschlafen? Mitnichten!

Ein markerschütternder Schrei hallt durch alle Räume und Flure. Nicht wenige zucken zusammen, der Schreck sitzt tief. Auf den Schreck folgt eine kalte Dusche – aus der Wasserpistole! Keine Frage: Dieser Theaterabend wird sehr speziell.

Bormann spielt für die Wasbütteler und mit ihnen. Pflegekind Helene, Onkel oder Tante – er verkörpert sie alle. Die Kostüme trägt er übereinander. Mit flinken Handgriffe wird der Onkel zur Tante und die Tante zur Helene. Dazwischen ein paar Klimmzüge am Dachgebälk, ein wilder Ritt auf dem Treppengeländer oder ein Bauchklatscher im Mittelgang. Stoffpuppen fliegen umher, Türen werden zugeknallt. Die Handlung wird zur Neben-, die Inszenierung zur Hauptsache. Sofern man sich darauf einlässt, dass sie laut, schrill und überdreht ist.

Aus der Allerzeitung vom 12.07.2011 / AZ Seite 16, Foto: Ron Niebuhr