
Der Text sitzt, die Generalprobe ist bestanden. Für die Theateraufführung in der Alten Schule ist alles vorbereitet. Sieben ehemalige Schülerinnen und zwei Schüler zeigen auf schauspielerische Art, wie es früher zuging in der Dorfpenne.
"Hinsetzen auf die Holzbänke durfte sich nur, wer eine Rechenaufgabe richtig gelöst hatte", berichtet Ingrid Bartsch. Bis dahin hieß es: brav anstellen. Sie selbst ist nicht in die alte Dorfschule gegangen, aber sie hatte die Idee für das ungewöhnliche Theaterstück, das am kommenden Samstag zur Festwoche des Vereins Dorfleben erstmals gezeigt werden soll.
Neun ehemalige Schüler hat sie nicht lange überreden müssen mitzumachen. Die älteste ist 86 Jahre alt, der jüngste hat bis 1946 die Schulbank in Wasbüttel gedrückt. Marlena Stumpf-Hotop schlüpft in die Rolle der Klassenlehrerin.
"Sie verwirklichen sich in diesem Stück selbst. Und das ist auch gut so. Richtig lustig waren die ersten Treffen, als alle Schüler für die Vorbereitung der Unterrichtsstunde ihre Erinnerungen einbringen konnten." Nein, eine Kaspernummer soll es nicht werden. Bartsch hatte zwar ursprünglich ein lustiges Stück im Sinn, aber die Schauspieler wollen lieber authentisch sein und anschaulich zeigen, wie sich der Unterricht in den 30er und 40er Jahren abspielte. "Die Proben waren ein Selbstläufer", so Bartsch.
Und so werden die neun in der damals typischen Kleidung - Schürzenkleidchen, Schleifchen und kurze Hosen - auflaufen. Nach Mathematik und Rechtschreibung auf Schiefertafeln steht die Heimatkunde auf dem Stundenplan. "Da stellen wir Orte des Dorfes vor, die kaum noch einer kennt", so Bartsch, "zum Beispiel Pottberg, Räuberbrücke und Zigeunereiche." Die "Kinder" lernen schreiben, lesen und ordentliches Benehmen - haben aber auch für den Lehrer kleine Arbeitseinsätze außerhalb des Unterrichts zu erledigen.
Für die Nachwelt haben die Akteure ihr Schauspiel bei der Generalprobe am Dienstag auch gleich noch auf Videoband gebannt.
Aber es soll nicht das letzte Stück auf den Holzbrettern der Alten Schule bleiben. "Wir haben schon das nächste im Hinterkopf", verrät Bartsch. Bei "Die Leute vom Kapellenberg" gehe es um eine Sammlung von Sketchen.
- Auftritte: Sonntag, 14 und 16 Uhr, in der Schulstube
- Treffen: Theatergruppe, jimmer donnerstags, 19Uhr.
Liebe Hehlenrieder (Kommentar)
Können Sie sich noch genau an ihre Schulzeit erinnern? Ich muss zugeben, dass da schon viel verblasst ist. Das betrifft übrigens nicht nur meine Erinnerungen an die Macken der Lehrer, an das Angebot des Hausmeisterkiosks und an die Namen aller anderen Schüler, sondern auch zum großen Teil an die Inhalte des Unterricht - zugegeben. Da kommt eine kleine Auffrischung wie am Samstag mit der Theatergruppe des Wasbütteler Vereins Dorfleben natürlich wie gerufen. Das ist übrigens Geschichtsvermittlung pur und aus erster Zeitzeugenhand - bestimmt nicht nur interessant für die älteren Mitbewohner, sondern auch für derzeitige Schüler.
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Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 18. Februar 2011, Gifhorn Lokales, Seite G05, Foto: Foto: privat