Das Kälbchen liegt auf der Wiese neben dem kleinen Tümpel, seine Mutter steht bei ihm und guckt wachsam. Noch nicht einmal 24Stunden alt ist der kleine Bulle, der nahe Calberlah auf die Welt gekommen ist.

 


Er ist eines von 40Kälbern, die in der Herde von Gerald und Lutz Iwan in diesem Frühjahr geboren wurden, fünf Kühe stehen kurz vor der Niederkunft. "Um diese Zeit kommen wir drei- bis viermal täglich auf die Weiden und sehen nach, ob alles in Ordnung ist", sagt Lutz Iwan. Denn bei der Geburt könne einiges schieflaufen, besonders, wenn die Mutter unerfahren ist und das Junge falsch liegt. "Dreimal mussten wir dieses Jahr eingreifen", sagt sein Bruder Gerald, "aber in der Regel kalben die Kühe alleine." Das hängt auch mit der Freilandhaltung zusammen: Die Tiere hätten es wegen der vielen Bewegung einfacher beim Kalben, sie könnten sich viel besser um die Jungen kümmern als Kühe, die im engen Stall vielleicht auch noch angebunden ständen, betonen die Brüder, die ihre Herden seit 25Jahren draußen halten. Ausnahme sind nur die Mastrinder, die im Stall leben.

 

Und Freilandhaltung heißt wirklich Freiland: Selbst im Winter leben die Tiere draußen. Das hat den Iwans schon so manchen Anruf besorgter Spaziergänger eingebracht. "Dabei macht den Tieren die Kälte überhaupt nichts", sagt Lutz Iwan. "Die Biomasse im Pansen erzeugt Wärme", erklärt sein Bruder und berichtet, dass sein Vieh sich auch zum Ruhen in den Schnee legt. "Schon wenn es immer noch minus fünf Grad draußen sind, fangen sie an, sich ihr Winterfell abzuschaben." Denn Wärme bereite ihnen mehr Probleme als Kälte.

Diese Kälteverträglichkeit hat auch mit den Rassen zu tun, mit denen die Iwans züchten: Fleckvieh ist dabei, Charolais, Hereford und Deutsch-Angus. Wichtig dabei: Die Rinder sollen genetisch hornlos sein. Das hat den Vorteil, dass sich die Tiere bei Rangkämpfen nicht verletzen.

220 Rinder halten die Iwans, bei denen Lutz ausschließlich auf dem Hof arbeitet, sein Bruder Gerald Vollzeit als Werkzeugmacher bei Volkswagen und nur im Nebenerwerb in der Landwirtschaft. Drei Muttertierherden leben auf Weiden in Gravenhorst, Calberlah und Wasbüttel, zudem halten die Brüder noch Zuchtbullen und Mastrinder. Denn sie züchten Rinder für die Fleischproduktion.

Zwei Jahre bleiben die Mastbullen im Stall, dann werden sie verkauft, um geschlachtet zu werden. Nur wenige Tiere geben die Iwans direkt an den Endverbraucher ab, nachdem die Rinder in Dalldorf geschlachtet wurden. Die meisten werden an die Saatzucht Flettmar verkauft, die sie weitervermarktet. "Häufig werden sie dann bis ins Ruhrgebiet transportiert und dort geschlachtet", sagt Gerald Iwan. "Dabei ist das Stress für die Tiere und beeinträchtigt auch die Fleischqualität." Allerdings: Es gibt kaum noch Schlachter. "Die müssen heute so viele Auflagen erfüllen, dass viele nicht mehr investieren wollten", sagt Lutz Iwan. Früher habe es im Landkreis Gifhorn 30 Schlachter gegeben, "heute weiß ich noch von zwei". Und der nächste Schlachthof ist in Hannover.

Beobachten lässt sich der Transport der Isenbütteler Rinder anhand der Nummer auf der Ohrmarke, mit der die Tiere bis spätestens eine Woche nach der Geburt gekennzeichnet worden sein müssen. Die steht dann hinterher sogar auf der Schale mit dem Schnitzel - und auf der Abrechnung für die Iwans.

Kälber, die zur Zucht taugen, haben bessere Perspektiven: Sie dürfen viele Jahre auf Weiden in freier Natur verbringen, jedes Jahr Nachwuchs bekommen und sich sonst an Stroh, Heu und Silage satt fressen. Im Schnitt seien ihre Kühe 15 Jahre alt, berichten die Iwans, eine sei sogar 20Jahre alt.

Das grauschwarze Tier steht ebenfalls auf der Weide in Calberlah und ist trächtig. Sein Kalb müsste in den nächsten Tagen geboren werden.

 

Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 31. März 2010, Gifhorn Lokales, Seite G05, Fotos: Annegret Birner