„Das ist unser Wachhund“, sagt Margret Kelm (62) liebevoll, wenn sie über Gusti spricht. Doch er bellt nicht und fletscht auch nicht die Zähne, wenn Eindringlinge nahen. Er schnattert laut und bäumt sich vor ihnen auf. Denn: Gusti ist kein Hund, Gusti ist ein Ganter.Und ganz im Stil eines echten Wachhunds beschützt er die Schafherde von Familie Kelm.

„Die haben sich von Beginn an gut verstanden“, erinnert sich Harry Kelm (68). Seit sieben Jahren hält er die Schafe, vor sechs Jahren kam der Ganter hinzu – die Tiere leben im selben Gehege. „Probleme gab es nie“, sagt Kelm – und korrigiert sich im nächsten Atemzug: „Anfangs war noch ein Bock dabei, der den Ganter in der Deckzeit als Rivalen angesehen hat“, berichtet der Wasbütteler schmunzelnd. „Da haben die sich dann auch mal in die Flicken bekommen.“
Der alte Bock ist inzwischen fort, der jüngere macht weniger Probleme. „Der ist noch recht klein und hat Respekt vor dem Ganter.“ Gusti passt Tag und Nacht auf die Schafe auf. Nur wenn Kelm sie morgens aus dem Gehege lässt und in das benachbarte Wäldchen führt, bleibt er allein zurück. Denn: „Da traut er sich wohl nicht.“
Die Schafe streifen unterdessen durchs Unterholz und sammeln Eicheln. „Die Wiese ist im Winter ja abgefressen – und auf die Eicheln sind die Schafe ganz verrückt“, sagt Kelm.
Bei Joggern und Spaziergängern sorgt das ab und zu für irritierte Blicke. Für Harry Kelm ist es inzwischen ganz normal.
Aus der Allerzeitung vom 05.12.2009 / AZ Seite 22, Fotos: Nowak