Ein Hauch vom royalen Glanz vergangener Zeiten ist in der Alten Schule Wasbüttel zu bestaunen. Lotti Frerking hat dem Dorfverein ein Erbstück mit hohem ideellen Wert überlassen. Es handelt sich um eine Bonbonniere, die sich einst im Besitz der 1980 verstorbenen Kaisertochter und Welfenherzogin Viktoria Louise befand.
Die 87-jährige Wasbüttelerin stammt aus Hannover. Und die Herzogin genoss dort zeitlebens hohes Ansehen. "Ich habe bei Schützenfesten von weitem gesehen, wie sie im Umzug unterwegs war und mit einem Federhut auf dem Kopf aus ihrer Kutsche gewinkt hat", erinnert sich die Seniorin.
Das war in den 1960er Jahren. Ihre Cousine Agnes Isemann gehörte damals dem elitären Viktoria-Luise-Club an. "Sie befand sich unter den feinen Damen von Hannover, die sich häufig bei einem Glas Sherry zum Plausch mit der Herzogin trafen", berichtet Frerking.
Nach dem Tod von Herzog Ernst August verließ Viktoria Luise nach Familienstreitigkeiten die Marienburg und zog nach Braunschweig. Damit löste sich die illustre Damenrunde schließlich auf.
Zum Abschied bekam jedes Clubmitglied ein Erinnerungsstück. Lotti Frerkings Cousine erhielt das Bonbon-Glas. "Sie liebte das Stück abgöttisch und hatte Sorge, dass es nach ihrem Tod auf dem Müll landen könnte", erinnert sich Frerking. Um das auszuschließen, vermachte die kinderlose Verwandte ihr das gute Stück zu Lebzeiten. "Es habe sie gefreut, wenn sie die Bonbonniere bei Besuchen in meiner Vitrine gesehen hat", sagt Frerking.
Schon als der Umbau der Alten Schule begann, kam bei ihr die Überlegung auf, das Erbstück dem Dorfverein zu schenken. "Sie ist nicht wertvoll, aber sie passt perfekt in das historische Gebäude", sagt Frerking. Dort hat sie jetzt in einem Büfett im Kaminzimmer einen Ehrenplatz gefunden.
"Das ist wie dafür gemacht", freut sich auch Bürgermeister Lothar Lau. Er berichtet, dass die Herzogin in der Region bis heute unvergessen ist. "Wie in vielen Orten im Landkreis wurde auch im Wasbütteler Gemeindegarten anlässlich der Hochzeit von Ernst August und Viktoria Luise ein Gedenkstein aufgestellt, um an die Versöhnung zwischen Welfen und Preußen zu erinnern", berichtet Lau. Der Findling steht noch heute an dieser Stelle. Eine Inschrift ist aber nicht mehr erkennbar.
Aus der Gifhorner Rundschau vom 14.01.2012