Seniorinnen treffen sich zum Kartenspielen und Klönen in der Alten Schule.
In der Alten Schule in Wasbüttel ist jeden Tag etwas los. Zahlreiche Gruppen haben dort ein neues Domizil für unterschiedlichste Aktivitäten gefunden. Montagnachmittag befindet sich die Kaffeestube fest in Händen einer sehr fidelen Damenrunde. Der Griff zum Taschenrechner hat ergeben, dass die zehn Seniorinnen um Lotti Frerking zusammen deutlich jünger sind, als sie selbst angenommen hatten. Statt wie vermutet über 1000 Jahre, zählen sie erst 808 Lebensjahre. Seit 1999 kommt die Damenrunde immer montags zusammen.
Erst wird Kaffee getrunken und sich über Neuigkeiten ausgetauscht. Dann wird rein zum Spaß Rommé gespielt. Die Treffen laufen nach festen Regeln ab: "Jede Woche sind 50 Cent in die Kasse zu zahlen und Geburtstagskinder legen nochmal zehn Euro drauf", berichtet Frerking, die die Buchführung innehat. Reihum sind die Damen an der Reihe, Kuchen für alle mitzubringen. Auch der Tischdienst, der für Kaffeekochen und das Drumherum zuständig ist, wechselt sich nach einem festen Plan ab.
Von dem Geld das in die Kasse kommt, wird zweimal im Jahr in einem Restaurant fein gespeist. "Karfreitag kommt immer Fisch und am dritten Advent Wild auf den Tisch", berichtet Frerking von den ritualisierten Schlemmerfesten. Auch Geburtstage werden in der Runde gefeiert.
Diesmal stehen die Tortenreste von Erna Barbknechts Geburtstagsfeier auf dem Tisch. Die Seniorin der Truppe war kurz zuvor 90 Jahre alt geworden. Alle Damen hatten mitgefeiert. "Ich bin das Küken, auch wenn ich schon zweifache Urgroßmutter bin", schmunzelt Waltraud Iwan (68).
Die Treffen aufrecht zu erhalten war nicht immer leicht. "Als wir anfingen, machte sich der damalige Bürgermeiser Sorgen, wir könnten einen Verein gründen und Geld von der Gemeinde haben wollen", erinnert sich Frerking. Zwischendurch waren die Damen zeitweise obdachlos. In dieser Zeit fanden die Treffen in heimischen Wohnzimmern statt.
aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 13. Januar 2012