Kein besonders glückliches Bild gab der Wasbütteler Rat am Dienstagabend in der Diskussion um die Vergabe des Stromnetzes (AZ berichtete) ab. CDU und SPD warfen sich gegenseitig „verfrühten Wahlkampf“ und „fehlende Sachkenntnis“ vor.

Am Ende setzte sich die CDU-Mehrheit durch, und beschloss die Vergabe des Netzes für weitere 20 Jahre an die Land-E.

„Ihr macht Euch zum Handlanger der großen Konzerne“, warf Stefan Kreisel (SPD) der Mehrheitsfraktion vor. Hinter der Land-E als Netzbetreiber stehe die LSW als Stromlieferant – und dahinter als größter Anteilseigner der Energieriese Eon, „der sein Geschäft größtenteils mit Atomstrom macht, und damit richtig abkassiert“, kritisierte Kreisel.

 

„Es geht nicht um den Stromlieferanten, den kann jeder Kunde frei wählen“, entgegnete Ernst Lütje (CDU). „Es geht nur um die Vergabe des Netzes – mit Energiepolitik hat das nichts zu tun.“ Zum gestrigen Mittwoch lief der bestehende Vertrag mit der Land-E aus. „Und wenn wir jetzt keinen neuen abschließen, müssen wir das Netz übernehmen“, warnte Lütje. „Wir haben aber gar nicht den Sachverstand, um das zu packen.“

„Ein Märchen“, nannte Kreisel es hingegen, „dass morgen bei uns die Lampen ausgehen“. Der Vertrag laufe vorerst weiter.

„Und die Zeit sollten wir nutzen, um uns genau zu überlegen, was wir wollen“, forderte SPD-Fraktionschefin Britta Schliephacke. Auch eine Übernahme des Netzes in Kooperation mit anderen Kommunen käme schließlich in Frage.

Damit hätte sich auch Bürgermeister Lothar Lau anfreunden können: „Wir haben in Wasbüttel aber nur 800 Stromkunden. Es müssten schon um die 30.000 sein, um so etwas finanzieren zu können.“

Letztlich fiel die Entscheidung auf die Land-E. „Weil ich weiß, dass ich mich auf sie verlassen kann“, so Lau. Mit Zukunftsperspektiven solle sich der nächste Rat befassen.


Aus der Allerzeitung vom 02.12.2010 / AZ Seite 18, Fotos: Nowak