Das Geklatsche und Auf-den-Tischgeklopfe beherrschte die letzte Sitzung des Wasbütteler Gemeinderats vor der neuen Zusammensetzung. Ratsherr Jürgen Heitmann verließ lieber den Saal, bevor er eine Urkunde überreicht bekam.

Die haben was geschafft, die Ratsmitglieder in Wasbüttel: Wildschutzgebiete, Parkplatz am Schießheim, Spielplatz Fasanenweg, die Alte Schule gekauft und aufgemöbelt, Friedhofskapelle erweitert, Bürgerbegegnungsstätte umgebaut, MTV-Heim neu gebaut, einen Traktor angeschafft und eine Fotovoltaikanlage installiert. Alles in den vergangenen fünf Jahren - und zu guter Letzt brennen fast so lange auch schon die Straßenlaternen im Dorf die ganze Nacht durch. Einige schlaflose Nächte habe Bürgermeister Lothar Lau (CDU) manchmal gehabt, sagte er. Trotzdem wisse er: "Mit Unterstützung der Bürger haben wir das Dorf voran gebracht." Die Ratsarbeit stehe nicht im Schatten von Parteien, Entscheidungen fielen für das Dorf, das Klima im Rat sei angenehm. "Hat Spaß gemacht." Kopfnicken in der ganzen Runde.

Nur den kürzlich mit heißer Nadel abgeschlossenen Energievertrag betrachtete Stefan Kreisel (SPD) als "Wermutstropfen".

Trotzdem könne man "zufrieden auf die fünf Jahre zurückblicken", fand Ratsherr Paul Lütje (CDU). Nicht nur das: Für ihn selbst galt das nämlich sogar für die vergangenen 39 Jahre. So lange ist er schon im Rat, und nun gehörte er zu den Fünfen, die dem Gremium den Rücken kehren. Der "Alters-Präsident", wie ihn Lau gern nannte, war lange Zeit Bauausschuss-Vorsitzender und habe als solcher vor allem den Bereich rund um die Sporthalle mitgeprägt. Auch den Titel des stellvertretenden Bürgermeister hatte er mal inne. Für dieses Engagement gab es von Lau Urkunde, Wappenteller und ein kleines Geschenk.

Ähnliches hätte auch dem parteilosen Jürgen Heitmann zugestanden, der vor 22 Jahren erstmals gewählt wurde. Doch der Ehrung entzog er sich. Als der Tagesordnungspunkt an der Reihe war, stand er auf, schnappte sich seine Mütze und verabschiedete sich mit einem freundlichen "Tschüss!" Verwunderung und Kopfschütteln in der Runde.

Gestern fragte die Rundschau noch einmal nach dem Grund für die überraschende Verabschiedung. Heitmann: "Kein Kommentar."

Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 6. Oktober 2011, Gifhorn Lokales, Seite G06, Foto: Silberstein