Die Lager sind rappelvoll, die Kartoffelernte war dieses Jahr gut. Und das Beste: Jetzt ist auch die vielgepriesene Sorte Linda wieder auf dem Markt.
Ernst Lütje aus Wasbüttel, der zusammen mit Jochen Gaus aus Ohnhorst arbeitet, hat provisorisch angebaut. An der Lagerhalle halten Dachlatten Wände und Dach aus Folie. Platznot. "Wir haben dieses Jahr bis zu 20 Prozent mehr Ertrag als vergangenes Jahr", sagt der Landwirt. Und damit liegt der Wasbütteler im Bundesdurchschnitt.
Der Grund: das Wetter. "Für Getreide war die Trockenheit bis Juli schlecht", so Lütje. Doch dann begann die Regenphase, wenn auch etwas spät - "für die Hackfrüchte wie Mais, Rüben und Kartoffeln war das dann ausgesprochen gut."
Drei Viertel der gesamten Kartoffelernte der Lütjes lagern jetzt in den Hallen - dunkel und kühl. Nachts wird die kühle Luft von draußen hineingeblasen, tagsüber mit Klimaanlage weiter bis auf vier Grad Celsius heruntergekühlt - so bleiben die Knollen haltbar bis Juni nächsten Jahres. Dann beginnt die nächste Ernte.
Doch Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Zehn verschiedene Sorten baut Lütje an - darunter auch wieder die von vielen Kunden lange, schmerzlich vermisste Linda. Deren Verschwinden vom Markt hatte Programm: "Für Linda besteht Sortenschutz. Als der 2004 auslief, wurde sie vom Markt genommen." Pflanzgut zu bekommen war fast unmöglich, und die eigenen Vermehrungsversuche scheiterten. "Es ist eine sehr schöne Kartoffel, aber problematisch im Anbau." Das war der Grund, warum Belana vor vier Jahren als Nachfolgerin eingeführt wurde - fest kochend, ertragreich und möglichst einheitliche Form für maschinelle Abpackbetriebe.
Doch der Ruf nach der tiefgelben, aromatischen Linda blieb - "wir haben viele Kunden, die auf sie bestehen". Lütje schloss sich dem Freundeskreis "Rettet die Linda" an, einer Initiative von Landwirten, Gastronomen und Züchtern. Und die hatten Erfolg: Linda ist wieder zugelassen, jetzt europaweit. Lütje: "Wir haben dieses Jahr 500 Kilogramm Pflanzgut bekommen." In einzelnen Märkten und ab Hof wird sie nun auch wieder verkauft.
Sorten
- Afra: mehligkochend
- Belana: festkochend, Nachfolgerin der Linda, einheitliche Form, ab September
- Cilena: festkochend, oval, ab Juli
- Gloria: vorwiegend festkochend
- Laura: rote Schale, vorwiegend festkochend
- Leyla: Frühkartoffel, vorwiegend festkochend
- Linda: festkochend, ab September
Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 29. Oktober 2011, Gifhorn Lokales, Seite G05, Foto: Silberstein, Grafik Jürgen REuno