Manchmal braucht es kein Baugebiet für Neubürger. Im Wasbütteler Maschweg hat es gereicht, eine fertige Unterkunft zu bieten. Dort nistet seit Ende April ein Storchenpaar. Mittlerweile zieht es drei Jungtiere auf. Die Beringung des Nachwuchses feierten am Freitagabend rund 100 Wasbütteler mit einem Grillfest.
Mit einem Hubsteiger nähert sich Weißstorchbeauftragter Hans-Jürgen Behrmann langsam dem Nest Stück für Stück. Bloß nichts überstürzen, bloß nicht mit dem schweren Metallkorb gegen das Nest stoßen. Die Jungtiere ducken sich. Mit sicheren Handgriffen rückt Behrmann die kleinen Störche in Schwindel erregender Höhe hin und her. Immer so, dass er die Ringe gut anlegen kann.
Nach ein paar Minuten ist es geschafft: Der Nachwuchs trägt die Kennzeichen DEW9X687, -688 und -689. Behrmann freut sich über Adebars Rückkehr nach Wasbüttel: „Ewig hat es im Dorf keinen Storch gegeben“, sagt er. Sicher belegen kann der Weißstorchbeautragte das zurück bis ins Jahr 1970 mit eigenen Unterlagen. Schriftlich erwähnt hat man den Weißstorch in Aufzeichnungen über Wasbüttel zuletzt 1907, wohl niemand erinnert sich an einen Storch im Dorf vor 1934.
Die Rückkehr haben die Wasbütteler am Freitag gefeiert – natürlich mit viel Abstand zum Nest. „Wir freuen uns alle riesig“, sagte Initiator Klaus Brandt. Mit Fernrohren beobachteten Kinder und Erwachsene gespannt die gefiederten Neubürger. Der Erlös des Festes geht übrigens an die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Barnbruch. Sie hat das Nest vor vier Jahren ins Dorf geholt. Das Wasbütteler Storchenpaar ist eines von 27 im Landkreis Gifhorn.

Aus der Allerzeitung vom 11.07.2011 / AZ Seite 14, Fotos: Ron Niebuhr