Genau 60 Jahre ist es her, da feierte Wasbüttel ganz groß sein 900-jähriges Bestehen - obwohl das Dorf schon viel älter war. Fred Weidemann hat alte Fotos gefunden, die er dem Archiv des Vereins Dorfleben zur Verfügung stellt.
"Es gab einen großen Umzug", kann sich Weidemann an die Tage vom 4. bis 6. August 1951 erinnern, "ich war gerade im ersten Schuljahr und bin auf einem Wagen mitgefahren." Unter Girlanden und zahlreichen Ehrenpforten hindurch bewegte sich der Zug durch das ganze Dorf.
Weidemanns Eltern Elly und Helmut haben ebenfalls mitgemacht - sie, wie viele andere Frauen, im wunderschönen Kleid, er mit Kettenpanzer als Ordensritter verkleidet auf den eigenen Hannoveraner Pferden. Alles war selbst genäht, vieles war improvisiert - sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Zu sehen waren auch hell gekleidete Mädchen mit Blumenbögen, reich geschmückte Festwagen der Vereine und bunte Fahnen.
Die Festtage starteten mit einem Feuerwerk und Kommers, weiter ging es mit Feldgottesdienst, Feuerwehrkapelle und Posaunenchor, Platzkonzert, Fußballspiel (1:0 gegen Isenbüttel), Preisschießen, Dorfessen, Start von 500 Tauben und offiziellem Festakt mit laut Schulchronik "Tausenden von Menschen". Laut Zeitung von damals wurde auch "fröhlich gezecht".

"Das war ein Bombenfest, super organisiert" - und das hatte nach Weidemanns Ansicht auch einen expliziten Grund: Schulleiter Walter Stock habe es initiiert und alle Fäden in die Hand genommen. Offensichtlich habe er sich damit für ein höheres Amt bewerben wollen - vergeblich. Aus diesem Grund war aber auch allerlei Prominenz eingeladen: Neben Bürgermeister Ernst Hoppe hielten auch Landrat Heise, Oberkreisdirektor Ackmann und Schulrat Geffert große Reden, dazu kamen Regierungspräsident Dr. Koch aus Lüneburg, Landtagsabgeordneter Zimmermann, Pastor Pabst aus Isenbüttel und die Bürgermeister der Nachbarorte.
Das Kuriose bei der ganzen Feier war, dass sie eigentlich 29 Jahre zu spät stattfand - denn nach eigenen Angaben Stocks in der Schulchronik von 1951 habe er festgestellt, "dass die Gemeinde Wasbüttel urkundlich erstmalig im Jahre 1022 erwähnt wurde", und zwar bei der Aufstellung der Zinszahlung für das bischöfliche Kloster Halberstadt.
Aber das heißt auch: In elf Jahren steht bereits die nächste Party an: Wasbüttels 1000-Jahr-Feier. "Das wird gebührend gefeiert, da bin ich mir sicher", sagt Weidemann.
Die Fotos, alte Zeitungsartikel und ein gedicht zur 900-Jahr-Feier zeigt der Verein Dorfleben auf der Internetseite www.wasbuettel.de in der Rubrik "Aus alten Zeiten".
Ein Gedenkstein erinnert übrigens noch heute an die Feier. Er steht an der Ecke Hauptstraße/Kapellenstraße. Enthüllt wurde er aber einst am Schützenplatz, bevor er versetzt wurde.
Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 9. April 2011, Gifhorn Lokales, Seite G05, Fotos: Archiv Fred Weidemann