Klaus-Dieter Brandt ist am Boden zerstört. Den Weihnachtsmarkt wollte er offiziell machen und einen Verein gründen (wir berichteten). Doch nun stellt sich heraus: Dann hält das Finanzamt gleich beide Hände auf.

"Ich begreife das nicht", sagt Brandt. Da ist eine Gruppe von bis zu 70Wasbüttelern, die alle zwei Jahre etwas Gutes tun wollen. Sie organisieren regelmäßig den Weihnachtsmarkt und bekommen auf diese Art und Weise Tausende von Euro zusammen, die seit Jahren dem Verein für krebskranke Kinder in Hannover gespendet werden. "Das ist einmalig im ganzen Landkreis."
Und dann ist da der Staat, der ausdrücklich für das Ehrenamt plädiert. Gleichzeitig rollt er den Wasbüttelern aber große Felsbrocken in den Weg, und zwar per Steuergesetz.
Das Problem: Die Weihnachtsmarktinitiative macht einfach zu viel Umsatz - laut Brandt beim jüngsten Mal etwa 20000 Euro. Nach Abzug der Material- und Organisationskosten blieben da 16000 Euro für die Spende übrig. Um als gemeinnütziger Verein - den wollten die Organisatoren demnächst gründen, um die Veranstaltungen ordentlich abzusichern - steuerbefreit oder wenigstens -begünstigt zu sein, dürften laut Brandt allerdings maximal 17500Euro in der Kasse klingeln. Ansonsten seien die üblichen Umsatzsteuern und Körperschaftssteuern fällig. "Da müssen wir ja Tausende Euro Steuern zahlen! Ich bin ziemlich sauer", sagt Brandt, "und unzufrieden mit dem System."
Nach Rundschau-Recherchen ergibt sich das Problem der Wasbütteler daraus, dass ein gemeinnütziger Verein nicht vordergründig wirtschaftlich tätig sein darf. Das bestätigte gestern auch Karsten Pilz, Pressesprecher der Finanzdirektion Hannover. Aber in diesem Fall wäre es ein "wirtschaftlicher Verein", weil in erster Linie Speisen und Getränke verkauft werden. Die Gewinne müssten versteuert werden.
Brandt habe schon wochenlang telefoniert, aber es zeichne sich jetzt schon ab: "Einen Verein wird es wohl nicht geben, höchstens einen Förderverein." Was ist die Alternative? "Wir könnten eine GbR gründen", so Brandt, aber bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts "müssten die Mitglieder die Gewinne in ihrer Steuererklärung angeben". Und das wolle Brandt den Wasbüttelern auch nicht zumuten.
Die Weihnachtsmarkttruppe ist nun unsicher, was zu tun ist - wie bisher geht es jedenfalls nicht weiter. Brandt: "Dann machen wir uns strafbar." Ja, er denke auch daran, mit dem Weihnachtsmarkt aufzuhören. Nächste Woche gibt es noch einen Gesprächstermin mit einem Steuerberater.
Aus der Gifhorner Rundschau, Wolfsburg: 4. Maerz 2011, Gifhorn Lokales, Seite G05, Archivfoto